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Donnerstag, 30. Juni 2016

Es ist Zeit zu reiten ... ein paar Eindrücke von letztem Wochenende

Ja, wie es schon der Titel sagt, fangen wir jetzt mit dem Reiten an. 7 Jahre ist mein wunderschöner Comtoismixhengst nun alt und auch wenn ich noch ein wenig mehr abspecken könnte/sollte/wollte, trägt er mich jetzt. Sabine Birmann war letzte Woche zu Besuch für einen Tag und sie und ihr Sohn Joel haben mir geholfen, meine Ängste zu überwinden und mir und meinem Pferd gezeigt, dass Reiten Spaß macht! Tausendfachen Dank dafür! Hier ein paar Eindrücke!

Bei der ersten Sequenz reitet Joel auf Vertigo. Vertigo hat kein Problem mit dem Reiten, weiß aber noch nicht, dass ein Reiter von oben auch lenken kann. Kurz wird das auf dem Platz geübt indem Joel zu mir hinreitet.
Dann bin ich dran - ich muss erstmal wieder lernen, entspannt und natürlich zu sitzen, darum hält mich Joel. Vertigo ist stolz! 
Bei der nächsten Sequenz geht es dann gleich raus, damit Vertigo das Reiten mit etwas verbindet, das Sinn für ihn macht. Platzreiten finden die meisten Pferde öde - beim Ausreiten können sie aber mal etwas anderes sehen und deswegen macht das Reiten dann wieder Sinn in ihren Augen. Er kaut noch ein wenig gestresst auf dem Gebiss, aber das besserte sich mit der Zeit.

Denicheur darf auch am Boseil mit Marnie mitgehen und es freut mich sehr, wie zufrieden er schaut. Wieder führt mich Joel, damit ich mich erstmal an die Bewegungen gewöhnen kann. Anderntags ist Joel auch bereits einmal draussen auf Vertigo geritten - ganz ohne führen! Ich bin stolz auf mein Pferd! Vertigo ist draussen aber noch sehr aufgeregt!

Mit den anderen Pferden haben wir auch gearbeitet:


Jumper wurde er genannt, dabei ist er so viel mehr! Ein Pferd für einen Krieger - ein Sturmwind - danke, dass ich Dich erkennen durfte°

Er zeigt sein kämpferisches Potential gerne auch bei der Bodenarbeit.

Mit den beiden Stuten Kira und Opale haben wir in den kühlen Abendstunden auch gearbeitet.

Die Tage danach ... :
Sophia reitet auf Angloaraberstute Kira am Boseil. Die Stute ist früher Distanzritte gegangen und in ihr stecken noch viele alte Erfahrungen. Wir würden ihr auf Dauer gerne das Reiten bieten - heute klebt sie jedoch, obwohl ihr Kumpel Jumper dabei ist, an ihrer Freundin Opale.

Noch ein Tag später - Jumper hingegen hat überhaupt kein Problem, auch allein rauszugehen. Sophia ist auch noch Anfängerin und wir tasten uns in kleinen Schritten an das Reiten. Hier geht Jumper auch am Boseil - er wurde sonst immer mit Gebiss oder Hackamore geritten.

Warmblutmixstute Opale hat ein Reittrauma - sie duldete lange Zeit nichteinmal den Versuch, aufzusteigen. Jetzt will sie aber immer öfter mitmachen und bei Sabine Birmanns Besuch war dann die Premiere, wo sie Sophia hat aufsitzen lassen, während ihr Besitzer Hartwig sie zur Sicherheit hält. Beim dritten Mal war es dann gar kein Problem mehr - der nächste Schritt wird sein, ein paar Schritte vorwärts zu gehen.
Und hier noch das Beweisfoto: ja, wir haben weitergemacht und auch ohne Sabine und Joel sind wir wieder eine Ministrecke ausgeritten. Es ist ein wahnsinns Gefühl, mein Pferd nach all den Jahren zu reiten!
Weitere Beiträge zu diesem Wochenende werden noch folgen! Es gibt viel zu erzählen ...

Danke für's Lesen!
Eure Jaana

Dienstag, 31. Mai 2016

Kann ein Mensch für ein Pferd interessant sein?

Ich und mein Kaltbluthengst Vertigo - Kommunikation
Es beginnt als Traum - vielleicht schon in der Kindheit -, dann nehmen wir es bald schon als selbstverständlich hin: Pferd und Mensch sind Partner. Oft mag das Pferd zwar offiziell den unteren Rang einnehmen, aber schon allein durch unsere Kultur gehen wir auf das Pferd zu, in der Erwartung, es wäre normal, es berühren, ja sogar führen und reiten zu können! Man muss es nur "bedienen" lernen, wie z.B. ein Auto.

Nun ist dennoch den meisten Reitern bewusst, dass sie die Pferde zu etwas bringen wollen, was diese im Regelfall nicht wollen und deshalb findet eine Abrichtung statt. Um sich in allen Situationen auf unser Reit- und Lasttier verlassen zu können, musste es zu hundertprozent funktionieren; auf Anweisung stehenbleiben, die Gangart und Richtung wechseln etc. Nur dann konnte es auch zum Arbeiten eingesetzt werden.

Ein schwieriges Pferd hat man dann, wenn es eben dies alles nicht selbstverständlich akzeptiert. Wenn es sich uns entzieht oder, im ungünstigsten Fall, sich gegen uns auflehnt. Auf den letzten Kursen die ich besuchte, begegnete ich Pferden, die zeigten, was eben alles nicht selbstverständlich ist für ein Pferd - Pferde die kämpften, ignorierten, sich entzogen oder zumindest früher einmal solches Verhalten zeigten.

Young horses approaching
Diese zwei Jungpferde aus meiner Nachbarschaft haben noch keine schlechten Erfahrungen gemacht und kommen im Galopp, wenn sie einen Menschen sehen - sie sind noch voller Neugier

Doch selten sagen die Pferde uns derart deutlich was sie von uns halten. Meistens kommt im Vorfeld die "Ausbildung" hinzu: das Pferd hat gelernt, dass es sich dem Willen des Menschen zu beugen hat, egal in welcher Situation und solange ein gemeinsamer Kodex eingehalten wird - damit meine ich zum Beispiel die Reitweise - wird das Pferd auch funktionieren. Die Kehrseite davon ist, dass es sich uns selbst auch nicht mehr mitteilt und das ist deshalb so schade, weil wir viel von ihm lernen könnten.


Draft horses couple
Kutschpferde müssen funktionieren
Pferde sind stärker und schneller als wir und haben einen ganz anderen Blickwinkel auf das Leben im Allgemeinen. Sie "sprechen" auch sehr deutlich mit ihrer Körpersprache und nicht nur können wir diese lesen lernen, sondern ihm auch damit antworten.

Oft höre ich, dass ein Pferd doch gar nichts mit uns zu tun haben will - es ist sowieso nur mit uns zusammen, weil wir das bestimmt haben. Es mag es vielleicht noch, von uns gepflegt und gefüttert zu werden, aber ein reines Zusammensein mit dem Menschen, das muss doch öde für ein solches Tier sein. (Immerhin, möchte ich darauf sagen, hier spricht also eine Person, die sich schon einmal Gedanken macht und einem Pferd solcherlei Empfindungen zugesteht)

Doch ist es wirklich so, dass ein Pferd einfach nur in Ruhe gelassen werden will und dann glücklich ist? Das wäre so, als wenn man zu jemandem, der vor lauter Stress in der Familie und seinem Job einen Burnout bekam, sagen würde, er solle nie mehr arbeiten und sich nie mehr unter andere Leute begeben.

School horse - has resigned
Schulpferd, es lässt den Kontakt zu obwohl es keine Freude daran hat
Kontakt und Abwechslung können sowohl angenehm als auch unangenehm sein. Ein gutes Gespräch, wo man füreinander offen ist und immer wieder Vertrauen vermittelt, ist unglaublich bereichernd - in der Regel für beide Seiten. Dazu gehört es auch, sich mal füreinander Zeit zu nehmen, einander gegenseitig zuzuhören und nicht immer das gleiche Gesprächsthema zu haben, sondern mal einen Ausflug anzuregen oder ein Spiel zu spielen. Meine Familie oder meinen Partner will ich ja - hoffentlich - auch nicht nur zum Abendessen sehen oder bei der Hausarbeit, sondern auch mal unbeschwert in allen möglichen anderen Momenten und Situationen. Ganz zu schweigen davon, wenn man dann noch immer nur gestresst von der Arbeit heimkommt und die miese Stimmung gleich zu Hause weiterverbreitet.

Kommen Sie immer mit schlechter Laune zum Pferd, sind unklar, schwach, nervig, geben paradoxe Signale und verlangen dann auch noch, dass Ihr Pferd alles tut, was sie von ihm verlangen, so wird es sich innerlich und vielleicht auch äußerlich von Ihnen abwenden und irgendwann auch nichts anderes von Ihnen und vielleicht auch anderen Menschen erwarten. Sind sie aber offen, vertrauenswürdig, und energievoll und handeln in seinem Sinne, sind gleichzeitig motiviert, sich selbst weiterzuentwickeln und auch bereit, Ihrem Pferd zuzuhören, dann wird es Ihre Gesellschaft zu schätzen wissen.

Es wird mit Ihnen vielleicht auch mal wo fremdes hin gehen, wo es sich vielleicht fürchtet, sie mit Freuden auf seinem Rücken tragen und sich auf eine gemeinsame Boden"arbeit" einlassen, wenn es einen Sinn darin sieht und es ihm Spaß macht.
A horse considering to make contact
Schon einige Zeit her: Denicheur fängt langsam an, einen echten Kontakt zu machen und das Zusammensein mit dem Menschen als etwas Positives zu empfinden. Noch lange stecken die alten Erlebnisse aus seiner Schul- und Sportpferdezeit noch in ihm.
 Wenn ein Pferd aber alle diese Dinge bereits mit negativen Erfahrungen sowie Druck und Zwang verbindet, so wird es - zu Recht!!! - ersteinmal skeptisch sein, sich abwenden oder gar nicht erst einen Kontakt wollen. Hier braucht es oft eine richtige Trauma-Therapie bevor ein unbeschwertes Zusammensein überhaupt möglich ist.

Den Weg im Konkreten hin zu all dem was angesprochen wurde zu beschreiben, sprengt den Rahmen dieses Blogs und ich empfehle die Bücher, Texte und Kurse von "Mit Pferden sein", denn ich habe bisher noch keine andere Pferdearbeit gefunden, wo nicht am Ende dann doch das Pferd wieder auf's Funktionieren reduziert wird.

Vielleicht geht ihr demnächst einmal zu eurem eigenen Pferd und könnt erkennen, ob es wirkliches Interesse am Kontakt mit euch hat oder lieber in Ruhe gelassen wird - gerne könnt ihr mir dann berichten. Ich bedanke mich ganz herzlich für's Lesen und hoffe vielleicht ein wenig mehr zum Nachdenken angeregt zu haben. Schreibt mir gerne ein Kommentar unter diesen Artikel und ihr könnt diesen Blog auch abonnieren um immer die neuesten Beiträge mitzubekommen.

Bis zum nächsten Mal! Alles Liebe
Jaana

Mittwoch, 21. Januar 2015

Was bringt das Jahr 2015?

Ich komme derzeit nur wenig zum Schreiben hier, jetzt möchte ich aber einmal kurz Jumper vorstellen, der in den nächsten Wochen bei mir im Stall einziehen wird. Seine Besitzerin hat mit ihm auf den ersten Kursen mit Sabine und Dan in Frankreich teilgenommen und Vertigo stand auch einige Zeit mit ihm zusammen. Leider hat sie keine Zeit für ihn, sie wohnt ca. 100km entfernt und studiert, und sie hat auch Angst vor ihm, da sie zu Zeiten, da sie Turniere mit ihm ritt einen schweren Reitunfall hatte. So vegetierte dieses überaus intelligente und unternehmungslustige Pferd nun einige Jahre auf der Koppel vor sich hin. Er hat viel erlebt (auch in Sabines 2. Buch ist er im Kapitel über traumatisierte Pferde) und galt lange Zeit als gefährlich, sollte er doch ein Springpferd werden, was überhaupt nicht seinem Wesen entsprach. Doch trotz allem liebt er seine Besitzerin und sie liebt ihn. Obwohl sie nach dem Unfall Angst vor ihm hatte, hat sie ihn behalten und nie auf Anraten verkauft oder noch schlimmeres entschieden, doch im letzten Jahr kontaktierte sie mich, ob ich ihn übernehmen würde. Sie wollte, dass er jemanden hat, der auch einmal etwas mit ihm macht und der in seinem Sinne handelt. Käme er wieder in konventionelle Hände, würde er vermutlich wieder gefährlich: er attackierte früher Kinder, Reitlehrer ... somit kam für sie nur jemand in Betracht, der nach "Mit Pferden sein" arbeitet. Sie wollte aber auch gern nicht ganz den Kontakt zu ihm verlieren und ihn nach Deutschland weggeben. Ihre Nachricht erreichte mich in der Woche nachdem meine Mutter plötzlich verstorben war. Ich ging in mich - war ich doch mit so vielen emotionalen Dingen gleichzeitig beschäftigt - aber ich wusste, ich würde ihn aufnehmen, denn ich liebte dieses Pferd schon immer. Heute bin ich nocheinmal zu seiner Weide gefahren und bin mit ihm ein klein wenig spazieren gegangen. Es war sehr berührend, sowohl seine Freude über die Abwechslung, als auch seine Trauer und Skepsis zu erleben, sowie eine Resignation in dem Zusammensein mit dem Menschen. Die Minuten verstrichen und seine Stimmung besserte sich, dabei entstand unter anderem das Foto. Ich weiß nicht, wohin es mich mit diesem Pferd verschlägt, ob er bei mir seine Jahre verbringen wird oder nocheinmal eine andere Liebe für's Leben finden wird, aber jetzt kommt er ersteinmal zu mir. Er ist ein Camargue-Araber-Mix und wird 18 Jahre alt dieses Jahr. Ich werde zum Reiten zu schwer sein ... mal sehen wie sich alles entwickelt. Nebenher bin ich dabei 30 kg abzunehmen. Ich lernte in 2014: das Leben ist unvorhersehbar und es bringt nichts, Dinge zu bewerten, von denen man nie oder erst nach langer Zeit begreift, wozu sie eigentlich gut sind. Eines Tages ist das Leben auch vorbei - alles was wir tun können, ist im Jetzt zu sein und das anzunehmen, was uns gegenübersteht. Heute war es dieses wundervolle Pferd und ich danke ihm dafür. Ich wünsche allen ein frohes Jahr 2015!

Freitag, 9. September 2011

Mit Freude Neues erforschen - Checklist Teil 2

 Teil 2 der Checklist-Reihe

Pferde sind von Natur aus neugierig. Sie spielen immer mit allem Möglichem herum, solange sie sich in einem entspannten Umfeld bewegen. Für mich ist es ein Zeichen, ob ein Pferd aufgeweckt ist und an mir und seiner Umwelt interessiert ist oder nicht - weil es zum Beispiel unter Stress steht oder abgeschalten hat.

Jedes Pferd hat selbstverständlich unterschiedlich stark Freude am Spielen und Ausprobieren. Manche sind von Haus aus skeptisch allem Ungewohnten gegenüber. Deswegen geht es hier in dem Artikel nicht darum, dass man erwarten sollte, dass jedes Pferd "Hurra!" ruft, wenn es einen Ball oder eine Tüte sieht, sondern darum, wie man in einer Beziehung mit neuen Dingen umgehen kann.

1.: der Check: 
Zum ersten Mal zeige ich Vertigo ein Pad. Er schaut neugierig.
Was passiert, wenn sie ihr Pferd mit etwas völlig Unbekanntem konfrontieren (natürlich wenn das Pferd völlig frei ist)? Kommt es und beschnüffelt es oder hält es sich auf Abstand so lange sie das Ding bei sich haben?

2.: Warum ist dieser Punkt so wichtig?
Was ich jetzt sage, mag manchem Reiter gar nicht gut schmecken; Für mich ist chronische Schreckhaftigkeit beim Pferd (also, wenn ein Pferd immer vor allem scheut, auch im Stall etc. - nicht wenn es wirklich erschreckt wird und dann ein paar Hopser zur Seite macht) ein Zeichen von übermäßigem Stress oder, und das ist besonders häufig der Fall, ein Zeichen für wenig Vertrauen in die Beziehung.

Ich will das, was ich meine, genauer erklären, indem ich mehrere Beispiele anführe.

  1.  Beispiel: Pferd erschreckt sich Ich bin mit meinem Pferd unterwegs durchs Dorf. Ein Hund rennt kläffend an ein Gartentor. Logischerweise erschrickt sich mein Pferd. Je nach Temperament und Erfahrung meines Pferdes und auch meiner eigenen Gelassenheit, wird es sich mehr oder weniger schnell wieder einkriegen - spätestens wenn wir zu Hause und im Stall sind.
  2. Beispiel: Pferd ist skeptisch und ängstlich Seit heute steht neben dem Reitplatz ein Anhänger mit im Wind flatternder Plane. In der Ecke - zum Beispiel bei der Bodenarbeit - buckelt mein Pferd los und versucht zu fliehen. Je nachdem, wie ich mit der Situation umgehe, aber spätestens wenn der Hänger wieder weg ist, entspannt sich die Situation.
  3. Beispiel: Pferd verweigert sich komplett Beim Spaziergang müssen wir an einer gewaltigen Landmaschine vorbei. Mein Pferd entscheidet sich, hier auf keinen Fall vorbeizugehen. Je nach Temperament meines Pferdes kann ich mit klarer Diskussion vielleicht etwas erreichen, aber manchmal kommt man richtig ins Kämpfen und das Vorbeikommen wird undenkbar, ja sogar gefährlich, weil sich das Pferd immer mehr aufspult. 
  4. Beispiel: Augen zu und durch Ich reite auf meinem Pferd, schwatze, gröhle und turne auf seinem Rücken herum, während es einfach weitertrottet. Es hat schlichtweg abgeschalten und folgt dem, was es als seine Aufgabe zu verstehen meint.
  5. Beispiel: Energie Ein Windhauch lässt die Blätter rascheln ... Mein Pferd nimmt die Energie auf und macht ein paar Bocksprünge.
  6. Ich gehe in die Koppel. Er schnüffelt.
  7. Beispiel: Mein Pferd ist neugierig Ich muss Baumaterialien über die Koppel oder an den Boxen vorbei in einer klapprigen Schubkarre transportieren. Mein Pferd kommt auf mich zu, schaut, was ich da tue und interessiert sich sehr für das, was ich da habe - es könnte ja etwas Tolles sein, denn das ist es eigentlich immer, wenn ich etwas dabeihabe.
Um zu allen Beispielen etwas wirklich Interessantes zu schreiben, müsste ich ein ganzes Buch veröffentlichen. Für mich sind alle Reaktionen des Pferdes in jeglicher Situation logisch begründet. Wenn ich jetzt von chronischer Schreckhaftigkeit schrieb, dann meinte ich, wenn sich ein Pferd in so einer Situation übertrieben verhält. Ein solches Pferd wird unter Dauerspannung stehen - bereit, bei jeder hastigen Bewegung, zur Seite zu springen. Diese Pferde sind nicht selten und werden oft als Spinner abgetan. Nur wenige davon sind aber tatsächlich derart temperamentvoll, es mangelt im Normalfall mehr am Vertrauen und liegt vielleicht auch an einem haltungsbedingten, hohen Stresspegel.  Ein abgeschaltetes Pferd erkenne ich daran, dass es keine der Verhaltensweisen mehr zeigt, und nur noch, wie in Beispiel 4, vor sich hintrottet.
Erst lege ich es nur an seine Seite.

Man sieht hier vor allem, dass Schreckhaftigkeit und Fluchtverhalten des Pferdes nicht so leicht über einen Kamm geschoren werden kann, indem man ein Pferd "Planensicher" macht. Das geht höchstens über Abstumpfen, was früher oder später zum Zustand in Beispiel 4 führt, der sich dann dauerhaft einstellt.
 
Zurück zum Thema des Artikels.
 
3.: Was habe ich davon, wenn mein Pferd mit Neugier an neue Reize herangeht?
Die Frage ist wohl weniger was es mir bringt als dass, was das Pferd mir damit sagt. Noch ein Beispiel: ich mache den obenstehenden Check indem ich mit einer Tüte zu einem jungen Pferd gehe. Ich bleibe gelassen stehen und raschle ein wenig. Vertraut mir das Pferd, kennt es mich als jemanden, der immer tolle Spiele in der Tasche hat und ist die Situation allgemein entspannt, wird es Interesse in irgendeiner Art zeigen. 
 
Je stärker die Bindung, desto mehr wird sich das Pferd von sich aus interessieren. Verspielte Pferde werden schnell um mich herumstehen und alles mit der Tüte tun, was ihnen einfällt. Anderen schnuffeln nur einmal kurz und dann ist es auch wieder gut.

Jetzt liegt es drauf. Man sieht seine Skepsis.
Abgeschaltete Pferde werden Sie auf diese Weise kaum interessiert bekommen. Traumatisierte Pferde scheuen und kommen dann nicht wieder. Das Gleiche kann Ihnen passieren, wenn Sie selbst angespannt und ängstlich sind.
 
4.: Was sagt mir mein Pferd damit?
Kurz gesagt; kommt es trotz der Anwesenheit von etwas Unheimlichen zu Ihnen, bedeutet das, dass es Ihnen vertraut. Rennt es einfach nur weg und kommt nicht mehr, heisst das, dass es lieber auf Abstand bleibt und auch Sie damit in Frage stellt; vielleicht sind Sie jetzt in seinen Augen auch ein "gruseliger Gegenstand". Letzteres muss nicht immer negativ sein, sondern bei einem skeptischen Pferd ist das auch ganz normal. Trotzdem wäre es, wenn Sie Ihr Pferd einmal mit gutem Gefühl reiten wollen, ratsam, auf den ersteren Zustand hinzuarbeiten.
 
Reagiert Ihr Pferd ohne Neugier, dann akzeptieren Sie bitte, dass es jetzt sagt: "Kein Interesse". Gründe gibt es viele, aber machen Sie Ihre Beziehung zum Pferd nicht kaputt, indem Sie es zwingen, sich damit zu beschäftigen. Freuen Sie sich entweder, wenn Ihr Pferd wirklich gelassen reagiert, denn dann können Sie mit einem sichereren Gefühl im Magen aufsteigen. Haben Sie das Gefühl, dass es Ihrem Pferd antrainiert wurde, sich nicht interessiert zu zeigen, lassen Sie es trotzdem sein und arbeiten Sie ersteinmal an der Bindung.
 
5.: Was kann ich konkret tun?
Zum Schluss guckt er aber dann doch zufrieden.
Machen Sie sich selbst zu einer interessanten und vertrauenswürdigen Person. Wie ihr Pferd letztlich auf Dinge reagiert hängt nämlich zum großen Teil davon ab, wie gelassen und souverän Sie selbst mit den Dingen umgehen. Ein Pferd reagiert extrem sensibel auf Stressreaktionen wie Verspannungen, Herzklopfen, Angstschweiß, unsichere Körpersprache und -haltung, Stimme und so weiter. 
 
Suchen Sie Orte der Entspannung und setzen sich einfach zu Ihrem Pferd auf die Koppel, teilen einen Moment mit ihm, lesen ein Buch, schreiben ... nehmen Sie einen Rucksack mit. Drängen Sie dieses dem Pferd nicht auf sondern lassen es kommen und gehen wie es will (ohne Sie zu zertrampeln versteht sich). Nehmen Sie Regenjacke oder -schirm mit, damit Ihr Pferd diese schoneinmal gesehen hat, bevor Sie mal im "Ernstfall" damit anrücken weil es wie aus Kübeln gießt.
 
Rennt ihr Pferd davon, bleiben Sie gelassen. Nehmen Sie sich die Zeit zu warten und zu klären. Sie können auch ein anderes Pferd dazunehmen, welches keine Scheu zeigt.
 
Zwingen Sie es nicht dazu, sich etwas anzusehen, wie es in mancher Form der Bodenarbeit praktiziert wird. Dabei geht es um reine Machtabklärung und der Wille des Pferdes wird mit Gewalt gebrochen. Das hat auch nichts mehr mit Anti-Scheu-Training zu tun und gar nichts mehr damit, worum es hier geht.
Dies ist keine Art, ein Pferd FÜR etwas zu interessieren, sondern reine Dominanzabklärung die ein Aufgeben und Abstumpfen des Pferdes zur Folge hat.
 
Sie können natürlich daran Arbeiten, wenn Ihr Pferd vor einer Sache wirklich Angst hat. Am besten Funktioniert es aber immer über Nachahmung, das heisst, Sie machen Ihrem Pferd etwas vor und es kann dann - möglichst wenn es frei ist - selbst mit der Situation umgehen.
 
Ein Pferd ist ein Fluchttier - bleibt es in einer Situation der potentiellen Gefahr bei Ihnen, so ist das ein Beweis nicht nur von Respekt, sondern von Vertrauen. Verspielen Sie dieses Geschenk nicht leichtsinnig! 

Freitag, 20. August 2010

Was braucht es eigentlich alles, damit einem die Augen aufgehen?

Über den Blog Fugly Horse of the Day erreichte mich gerade folgendes Video:


Mein Kommentar:
erstens Mal Daumen hoch für das Pony!!! Derart gezielt und sogar freundlich seinen Reiter loszuwerden - alle Achtung. Bei dem Kind weiß ich nicht. Ich würde eine 1 vergeben für gekonntes Herunterfallen und im "das machen was die Reitlehrer sagen" aber eine ganz andere Note wenn es darum geht, die Augen der Welt zu öffnen.
Und das ganze Restpersonal ist sowieso durchgefallen, denn diese Art Reitstunden sind weder für Pony noch für das Kind nett. Und die beiden dann noch auf ein Turnier schleifen ...
Ich habe selber Reitstunden genommen, auch auf ähnlichen Ponys - aber inzwischen kann ich kaum mehr verstehen, warum man sich freiwillig nochmal auf diese Art und Weise draufsetzt.
--- und warum man so ein Pony dann in den Schulbetrieb nimmt .... Titi würde sich mindestens genauso benehmen!

Das musste ich jetzt zwischendurch einfach loswerden.

Donnerstag, 15. Juli 2010

Parelli bei einer Demonstration

Seit gestern kursiert auf YouTube ein Video von Parelli auf einer Demonstration - ich glaube auf einer Messe. Ich war nicht dabei, die Qualität gibt kein scharfes Bild her und ich kann nur wiedergeben, was im Internet geschrieben wird. Hier das Video und darunter meine Übersetzung des im Video vorkommenden Texts für Leute, die mich danach gefragt haben. Ich kann keinerlei Garantie für die Richtigkeit des dort geschriebenen übernehmen.

Text:
"Videoinformation:
Passives, beharrliches Training mag das Motto von Pat Parelli sein aber er zeigte nichts davon auf dem "Festival of the Horse" in Stoneleigh Park GB. Catwalk, das Pferd von Roger Whitaker ließ sich nicht aufzäumen, doch Parelli zwang es über 2 Stunden lang dazu, dies zuzulassen - mit Hilfe eines Seils und einer Nasenbremse. Knotenhalfter, Führseile, "Carrot Sticks" und Parellis Methoden können gut oder schlecht eingesetzt werden. Dies ist nicht Natural Horsemanship. Bleibt natürlich ...

Video:
Bericht eines Augenzeugen
Es fing gut an und Pat Parelli führte den Hengst in dem Reitplatz herum. Er sprach über Beziehungen, Wahrnehmung und natürlich über die Prinzipien von Liebe, Sprache und Führung ...

... Dann versuchte er, den Kopf und die Ohren des Pferdes zu berühren - erfolglos, wie ich hinzufügen möchte ...

... so setzte er ein wenig mehr Nachdruck in seine Herangehensweise ...

... Im Raum wurde es still als die Leute zusahen, wie er ein Gummiseil als Nasenbremse nutzte und ein langes Seil um das Vorderbein des Pferdes hochzuhalten ...

... Pat versuchte, ein Zaumzeug auf den Kopf des nun völlig verstörten und verängstigten Pferdes zu streifen!! ...

Anmerkung: Wenn du diese Methoden nicht magst - teile dieses Video auf Facebook!

Ich muss zugeben, dass ich ab diesem Moment nicht länger fähig war, weiter zuzusehen und rausgehen musste.

-- So ging es über 2 Stunden lang weiter --

Bleibt natürlich ..."
____________________________
Mein Kommentar?
Ich will nicht über eine Methode hetzen - das bringt niemanden weiter. Aber ich will auch niemanden in Schutz nehmen, der sich in aller Öffentlichkeit so bloß stellt. Auf der einen Seite muss man sich eingestehen, dass ein Pferd eben ein Pferd ist und nicht jedes immer auf leisesten Knopfdruck reagiert. Andererseits ist der Schlüssel doch wohl Zeit und echte Beziehung - aber die sucht Herr Parelli auf dieser Demonstration sicher nicht mehr - wieso soll der Hengst ihm bitte vertrauen? Für ihn ist er ja kaum mehr als irgendein anderes Raubtier ... o.O Hier wird sicher nicht mehr FÜR das Pferd gearbeitet! Ausbilder, die ihre Schwächen eingestehen oder ihre Fehler, die werden merken, wenn etwas nicht weitergeht.

Spannend, dass ich ähnliche Situationen gerade ja auch mit Vertigo habe und immer wieder gespiegelt bekomme, dass Gewalt nie die Lösung sein kann. Entweder ich verdiene sein Vertrauen, oder es ist nicht nur aussichtslos sondern zerstört unsere Beziehung.

So, ich muss Schluss machen. Alle warten - habe so wenig Zeit am Pc wegen dem schönen Wetter und den Pferden. Bald gibt es neues!!!

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Seelenklempner für Pferde und Pferdeflüstererromantik

Der Traum vom wilden Westen ... ja ja ... ich und meine Geschwister folgen gerade der Serie "Heartland" (auf den Link klicken, dann kommt man zur Playlist der ersten Staffel). Irgendeiner Serie folgt man immer mal und wir wollen uns einmal nicht damit aufhalten, ob sie besser oder schlechter ist als andere. Sie ist dafür gemacht, das Publikum am Ball bleiben zu lassen.Es geht um Wildwestromantik, aber einen besonderen Kassenschlager haben sie sich doch noch ausgesucht: die Hauptperson ist eine "Pferdeflüsterin".Ich finde von daher das Thema sehr gut aufgemacht. Es geht nicht nur abgedroschen darum, Pferde auf Turnieren zu verheizen, so wie ich das bei den Wendy-Comics immer bedauerte. Und es ist auch nicht übermäßig übertrieben als Belehrung zu verstehen. Ich finde es spannend, wenn es darum geht, was die junge Amy für Pferde bekommt und wie sie dann die Persönlichkeit versucht zu erkennen um zu helfen. Natürlich wird sich da an die amerikanischen Pferdeflüsterermethoden angelehnt, aber es kommt z.B. auch TTOUCH etc. vor.
Doch, wenn ich mir das alles so ansehe, fällt die übermäßige Kommerzialisierung dieser Praktiken ins Auge. Was ist das für ein Dienst am Pferd, wenn ich zwar sein Problem behebe, aber es dann wieder stehen lasse? Das hat mich auch bei Monty Roberts immer gewundert, besonders, als ich sein Video gesehen habe. Da arbeitet er mit einem Rennpferd, welches Panik davor hat, in die Startbox zu gehen. Mit doch eher simplen Methoden, die mir nie besonders aussergewöhnlich erschienen, schafft er dieses Trauma ab und dann? Dann muss das Pferd weiter seine Rennen laufen. Wie beim (Seelen-)Klempner: herausfinden was kaputt ist, reparieren und sich dann wieder verabschieden. So betrachtet kann man diese Art der Pferdetherapeuten nicht unbedingt als die Menschen sehen, die das Pferd wirklich als Persönlichkeit sehen. Sie machen ihren Job - macht bestimmt unheimlichen Spaß - aber das Pferd wird nur bereit gemacht, damit es funktioniert. So wie ein Auto in der Werkstatt. Warum aber merkt das niemand? Wieso fällt es uns so schwer uns vorzustellen, wie die Wesen, die uns umgeben zu fühlen, oder es zumindest zu versuchen? Und wenn ich dann schon herausgefunden habe, woran es liegt, wie kann ich dann so blind sein und nicht tun, was meinem Herzen entspricht.
Wenn man die zum Teil ja schon sehr abgeschalteten Pferde sieht, die in den Heartland-Filmen vorkommen kann ich mir allerdings vorstellen, dass es schwer ist, an die Persönlichkeit dieses Wesens zu glauben. Vor diesen Pferden hätte ich auch keine Angst, aber ich habe erlebt, welche Energie eigentlich in einem Pferd steckt ....
... wenn Denicheur seinen guten Tag hat und vor mir steigt, sich herumwirft und mit allen Hufen durch die Luft wirbelt, und dann, im nächsten Moment zärtlich darum bemüht ist, dass sein Reiter kein Grund zur Angst hat und seine Augen trotzdem mit dem gleichen Feuer funkeln, dann weiß ich was ein Pferd eigentlich sein will ...
... danach fahre ich an den Gestütsweiden von Cluny vorüber und sehe auf den Koppeln die Fohlen wild umher tollen und frage mich, wie man eigentlich auf die Idee kommen kann, diese kraftvollen Wesen eines Tages derart schikanieren zu wollen ...
... bitte versteht diesen Text als Gedankenanregung und nicht als Besserwisserei oder gar Angriff auf bestimmte Methoden mit Pferden zu arbeiten. Wer sein Pferd wirklich liebt, wird seinem Herzen folgen und danach handeln - egal wie die Handlungen dann im Einzelnen aussehen.

Fotos: aus der Serie Heartland - Paradies für Pferde - Staffel 2 Folge 1 Sweet Sixteen

Dienstag, 22. Juli 2008

Pferd und Junge

Wiedermal so ein "Pleiten, Pech und Pannen"-Clip aber ganz ehrlich: das Pferd tut mir mindestens so leid wie der Junge, denn es scheint ziemliche Angst zu haben.


http://view.break.com/455508 - Watch more free videos

Mittwoch, 21. Mai 2008

Hempfling - Blind Date

Ja, es gibt mal wieder ein neues Video von Hempfling af Youtube. Diesmal ein Ausschnitt aus dem Film "Körpersprache" wo Hempfling mit einer jungen, nervösen Araberstute arbeitet.

Freitag, 25. Januar 2008

Check the basics 1: Mein Pferd genießt meine Berührung

Wir beginnen nun damit, die einzelnen Punkte meiner Checkliste abzuarbeiten.

1.: der Check:
Kommt ihr Pferd freiwillig zu ihnen und lässt sich berühren? Kennen sie seine Lieblingstellen? Welche Stellen lässt es sich eher weniger gern berühren?
2.: Warum ist dieser Punkt so wichtig?
Dies ist der erste Punkt der Checkliste und für mich von daher das Fundament für die anderen Punkte. Ich glaube, eigentlich ist es gar nicht so schwer nachzuvollziehen, warum dieser Punkt so wichtig ist. So ist Reiten und dergleichen völlig unmöglich, wenn wir unser Pferd nicht berühren können. Doch achtung! Ich spreche hier nicht nur davon, dass das Pferd sich den Sattel anziehen lässt und dann brav unseren Befehlen gehorcht. Ich spreche davon, dass das Pferd unsere Berührung und unsere Nähe wirklich genießt und sie von sich aus aufsucht. Ausserdem sich im etwas höheren Alter sich am ganzen Körper berühren lässt ohne dabei Stress zu empfinden. Nun also, warum ist dasso wichtig? Es ist weniger wichtig als ein Zeichen, dass das Pferd uns vertraut und gern hat. Pferde auf der Koppel oder in der Wildnis gehen tiefe Bindungen mit einzelnen anderen Pferden ein. In jedem Pferdeführer kann man nachlesen, dass es ein Zeichen tiefer Freundschaft ist, wenn sich zwei Pferde einander am Widerrist schubbeln. Das Pferd als Fluchttier kann auch extreme Angst vor Berührung haben und dabei Stress empfinden. Seien sie sich bewusst, dass, wenn dies der Fall ist, das Pferd sie entweder als Raubtier, also als Gefahr betrachtet, oder zumindest als tyrannisches anderes Herdenmitglied. Und das wollen wir doch auf keinen Fall sein, vor allem nicht, wenn wir eine schöne Zeit mit unserem Pferd verbringen wollen.

3.: Was bringt es mir wenn sich mein Pferd von mir gerne berühren lässt?
Wenn ihr Pferd das Zusammensein mit ihnen genießt, dann wird es immer freudig bei allem mitarbeiten was sie ihm anbieten - ob es nun später das Reitergewicht ist oder die Spritze mit der Wurmkur. Ihr Pferd demonstriert dass es ihnen vertraut. In schwierigen Situationen werden sie wissen, wie sie ihr Pferd beruhigen können und es wird ihre Anwesenheit als schützend und entspannend empfinden. Ausserdem erleichtert es viele Vorgänge wie Tierarztbesuche, Hufeausschneiden und beschlagen etc.

4.: Wie erkenne ich, dass mein Pferd meine Berührung genießt?
Äussere Zeichen können sein: entspannen der Ohren, Zucken mit der Lippe bzw. den Mundwinkeln, ein senken des Kopfes, das Pferd steht absolut ruhig und drängt nicht fort, es hält ihnen die Stelle, die sie gerade kraulen geradezu vor die Finger. Natürlich werden sie auch einfach spüren, ob ihr Pferd gerade Gefallen empfindet oder sich lieber abwenden möchte.

5.: Was bedeutet es wenn ...
  • ... es sich gerne von mir streicheln und überall berühren lässt?
Ihr Pferd hat Vertrauen zu ihnen und betrachtet sie nicht als Feind.
  • ... es sich an bestimmten Bereichen wehrt, abwendet, schlägt, beisst oder mich gar nicht richtig an sich heranlässt?
Ihr Pferd hat Angst vor ihnen und glaubt, sie könnten ihm wehtun. Lassen sie das nie unbeachtet! Ein Pferd das sich vor ihnen fürchtet ist wie ein Feuerstuhl, der abgeht, sobald etwas geschieht, was es in die Enge treibt!

6.: Was kann ich konkret tun?

Bei rohen Jungpferden und Fohlen:

Wie schon im Artikel zum Thema Fohlenerziehung gesagt, sehen sie zu, dass die Begegnung mit Menschen IMMER möglichst von Spannungen und schlechten Erfahrungen ungetrübt bleibt. Erlebt gerade ein Jungpferd, dass es seinem Menschen vertrauen kann, dann wird es später auch in schwierigeren Situationen zu ihm stehen - was vorraussetzung für einen verlässlichen Partner ist. Gehen sie niemals an die Grenzen, wo Streicheln etc. unangenehm oder als nervig empfunden wird. Sprechen sie immer mit einer ruhigen und warmen Stimme.

So geht man auf ein Pferd zu:
  1. Nähern sie sich anfangs immer frontal oder leicht von der Seite und steuern sie den Kopf an. Locken sie sanft mit der Stimme und einer einladenden, keinesfalls agressiven Körperhaltung.
  2. Lassen sie das Pferd an ihrer ausgestreckten, flachen Hand ausgiebig schnuppern und geben sie ihm Zeit.
  3. Streichen sie mit einer Hand den Hals ab und gehen sie dann leicht seitlich an as Pferd heran und tätscheln Schulter, Brust und/oder Bauch bzw. Rücken.
Bereiche wie Beine, Kruppe, Schweif, Hufe, die Unterseite des Bauchs und in manchen Fällen auch die Ohren und der Rücken berühren sie erst, wenn sie sich sicher sind, dass ihr Pferd sich nicht wehren wird, sondern ihnen vertraut.

Auch wenn es schwieriger sein mag; üben sie das am besten ohne das Pferd festzuhalten. Gerade junge Pferde werden so schnell hibbelig, dass sie dann fortdrängen und sich sonst gezwungen fühlen.

Bei schon relativ gut erzogenen Pferden die regelmäßig geritten werden oder Kontakt haben:

Hier setze ich vorraus, das dem Pferd das Halfter geläufig ist. Es gelten natürlich ebenfalls obenstehende Regeln, allerdings gehe ich mal davon aus, dass sie ihr Pferd sowieso im Alltag schon lange nichtmehr nur an Hals und Schulter berühren, da sie es ja striegeln. Von daher werden sie wahrscheinlich schon wissen, welche Stellen ihr Pferd besonders gern oder gar nicht gern gekrault hat. Wenn nicht, finden sie diese herraus!

Wenn sie merken, dass es Stellen gibt, wo sich das Pferd gar nicht wohlfühlt oder sogar beginnt zu wehren, dann finden sie ein paar Tipps unter "traumatisierte" Pferde. Hier jetzt noch ein paar Tipps, wie sie den Genuß und das Vertrauen zu ihnen steigern können:

  1. Widerrist kraulen: Pferde machen das ja unheimlich gerne untereinander. Stellen sie sich seitlich neben ihr Pferd und beginnen sie an seinem Widerrist zu kraulen. Ruhig etwas fester! Für ihr Pferd ist das ein Freundschaftsbeweis ihrerseits. Beobachten sie, wie das Pferd mit den Lippen zu spielen anfangen wird. Passen sie auf: gerade bei Hengsten kann das dazu führen, dass sie gern etwas "zurückkraulen", was ihnen natürlich richtig wehtut. Schieben sie den Kopf des Pferdes sanft zur Seite, statt es zu schimpfen und passen sie einfach gut auf jede seiner Bewegungen auf. Es meint dies keinesfalls böse.
  2. Wirbelsäulenmassage: Viele Pferde lieben es und entspannen sich total, wenn sie den Rücken entlang die Wirbelsäule bis zur Schweifrübe hin massieren.
  3. Kopf senken: ein wirklich entspanntes Pferd, welches ihre Berührungen genießt, senkt oft automatisch seinen Kopf. Machen sie eine kleine Übung daraus (ohne Futter bitte!) die Stellen zu finden, wo ihr Pferd mit dem Kopf entspannt nach unten geht und sich dort z.B. an den Ohren weiterverwöhnen lässt.
  4. TTOUCH: Ich selber habe sehr gute Erfahrungen mit dem Tellington-Touch gemacht. Besorgen sie sich mal ein paar Infos. Das für mich beste Buch von Linda Tellington-Jones ist in der Hinsicht "Die Linda Tellington-Jones Reitschule" (erschienen im KOSMOS-Verlag ISBN 978-3440095843). Der TTOUCH lehrt einen sehr viel über den Körper des Pferds und hat viele verschiedene Massagetechniken, so dass man immer wieder etwas Neues ausprobieren kann.
Bei Hengsten:

Ich sehe bei Hengsten kaum Unterschied zu Stuten und Wallachen. Allerdings ist bei hnen immer darauf zu achten, dass man nicht ihr - doch oft sehr hohes - Selbstwertgefühl ins schwanken bringt. Ein Hengst wird sie auch immer mal wieder auf die Probe stellen, so dass sie sich durchsetzen müssen. Tun sie das dann, aber ohne großes Aufsehen davon zu machen. Zwicken und Beißen ist kein Spiel, sondern gehört mit klaren Zeichen unterbunden, aber es darf auf keinen Fall jedes mal zum Machtkampf werden. Haben sie den Hengst immer gut im Auge und stellen sie sich gegenbenenfalls vorzugsweise so, dass er noch nichtmal gut an sie herankommt.

Bei traumatisierten Pferden:

Damit meine ich nun Pferde, die kleine bis sehr große Probleme damit haben, dass sie sie streicheln. Sie haben vielleicht früher einmal große Schmerzen oder Vertrauensbrüche erlebt. Manche sind nur etwas kitzlig am Bauch, andere sind kopfscheu und machen bei jedem Aufzäumen ein totales Theater. Dies sind alles Zeichen dafür, dass sie nicht wirklich den Händen des Menschen vertrauen. Manches kann man lächelnd tolerieren, z.B. wenn ein Pferd wirklich einfach kitzlig ist am Bauch - davon gibt es übrigens recht viele. Dann sollte man diese Stelle eben vorsichtig behandeln, aber setzen sie sich trotzdem durch: wenn ihnen ihr Pferd vertraut, dann wird es über kurz oder lang sich wieder entspannen und sie können auch dort normal weiterstriegeln. Wird ihr Pferd aber tatsächlich panisch, wenn sie anfangen am Bauch zu kraulen ist dies ein Alarmzeichen!

Ich gebe jetzt im Folgenden ein paar Beispiele für Traumastellen, was das Verhalten bedeutet und den einen oder anderen Tipp, was man tun kann um die Pferde von ihrem Trauma zu heilen. Allerdings ist der erste Schritt der, den sie tun müssen, nämlich herrausfinden, was die Ursache für das Verhalten ihres Pferdes ist und dann, was sie glauben, dass ihm helfen könnte. Ich übernehme keine Haftung für meine Tipps und das diese in allen Fällen funktionieren. Es kann auch sein, dass, wenn sie beginnen, direkt an den Problemzonen zu arbeiten, das Pferd noch heftiger reagiert. Bei richtigen Problempferden erfordert es enorm viel Zeit und Arbeit, die eventuell auch gefährlich werden kann, um ein Trauma zu heilen. Es gibt noch nichteinmal die Sicherheit, dass das Trauma überhaupt komplett geheilt werden kann. Hier geht es nicht darum, dass sie in irgendeinem Kurs eine 1+ bekommen, sondern dass sie eine Beziehung mit ihrem Pferd aufbauen!
  • Pferd schlägt oder beisst mich, wenn ich es an einer ganz bestimmten Stelle berühren will (Beispiel: Beine): Sicherlich verbindet es irgendeine ganz bestimmte Erfahrung mit der Berührung an dieser Stelle. Gehen sie keine Gefahren ein. Sie werden keinesfalls etwas verbessern, in dem sie ihr Pferd dazu zwingen sich dort berühren zu lassen. Suchen sie nach möglichen Ursachen! Wehrt es sich auf diese Art nur, wenn ich es auf eine bestimmte Art (z.B. mit einer Bürste) berühre oder immer und in jeder Situation? Ziehen sie alles in Erwägung: könnte es dort eine Verletzung haben? Bringe ich dort beim Reiten meistens irgendwelches Equipment an (z.B. Bandagen)? Was weiß ich genau über die Geschichte der Pferdes? In jedem Fall ist es aber wichtig, dem Pferd wieder das Vertrauen zu geben, sich dort berühren zu lassen. Machen sie das zu Anfang immer mit ihrer bloßen Hand. Diese ist schön warm und kommt direkt von ihnen. Finden sie die schon so oft gerühmte Stelle, die ihr Pferd besonders gerne mag und arbeiten sie sich von dort Stück für Stück an die Problemzone heran. Belohnen sie das Pferd schon für kleinste Fortschritte, wenn sie z.B. schon ganz nah gekommen sind. Diese Methode erfordert erfahrungsgemäß etwas Geduld - Tage, manchmal Wochen und Monate, können nötig sein! Wann immer ihr Pferd panisch reagiert bleiben sie auf jeden Fall ruhig und vermitteln Freundschaft durchi hre Körperhaltung. Wenn sie selbst Angst vor ihrem Pferd haben, lassen sie es erstmal eine Weile und tasten sich noch langsamer vor.
  • Berührungsängste an Gurt- und Sattellage: das nennt sich im allgemeinen Reiterjargon "Satteldruck" und ist meistens auf unpassendes Zubehör bzw. Schmerzen zurückzuführen. Überprüfen sie ihren Sattel und eventuelle Decken und Pads sowie den Sattelgurt. Es kann auch sein, dass sie meistens zu fest gurten oder etwas an ihrem Sitz das Pferd in seinen Bewegungen stört. Es gibt eine Reihe Methoden, Sättel, Pads etc. die dies vermeiden wollen/können. Informieren sie sich. Viele Pferde leben total auf, wenn sie einen baumlosen Sattel bekommen. Es gibt sehr viele Spezialisten auf diesem Gebiet, die ihnen da bestimmt weiterhelfen können. In Betracht müssen allerdings auch die anderen Möglichkeiten gezogen werden: wie wurde das Pferd bei seiner Ausbildung an den Sattel gewöhnt? Vielleicht trägt es ja einfach ein Trauma von einem plötzlich aufgelegten und festgezurrten Sattel mit sich herum. Legen sie den Sattel auch immer in Fellrichtung auf? Oder handelt es sich um einen Machtkampf den das Pferd nun schon seit einiger Zeit mit ihnen austrägt? Versuchen sie es mit Massage und TTOUCH an der Wirbelsäule um ihr Pferd die Berührung dort genießen zu lassen. Das wird aber übrigens nicht viel bringen, wenn ihr Pferd tatsächlich unter akuten Rückenschmerzen leidet. Verletzungen oder Scheuerstellen sind allerdings höchste Alarmzeichen, dass etwas mit ihrem Equipment oder ihrer Reitweise nicht stimmt. Ein Pferd mit einem schmerzenden Rücken zu reiten ist eine Quälerei für das Pferd, die ich keinesfalls befürworte.
  • Kopfscheuheit: ein Pferd, welches immer den Kopf hochreisst, wenn sie es dort berühren wollen oder ein Halfter anziehen, ist nicht nur ärgerlich, sondern es verursacht sich unter Umständen echte Schmerzen. Ein Pferd hebt automatisch den Kopf in Stresssituationen. Das Mittel dagegen ist Entspannung und Kopf-Senken. Nehmen sie sich viel Zeit, um herrauszufinden, auf welche Weise sich ihr Pferd entspannen kann und gehen sie auch hier Stückchen für Stückchen vor. Wichtig ist, dass sie Stress vermeiden. So lassen sie es sein, ihr Pferd mal schnell-schnell aufhalftern zu wollen. Sie wissen doch, das dies wieder Theater geben wird, also lassen sie das Pferd lieber auf der Weise statt zu reiten. Bei einem wirklich kopfscheuen Pferd darf auch mal ein Leckerlie zum Einsatz kommen, wenn ihr Pferd den Kopf senken soll. Positive Verstärkung kann hier sehr wichtig sein. Hier geht es weniger darum, ein Dominanzspielchen durchzustreiten, sondern darum, dass das Pferd schlicht und einfach den Kopf senken kann und sie als angenehm empfindet.
Nun, das war es nun erstmal. Steht ihr Pferd nun bei ihnen und lässt sich gerade durchkraulen? Wie schön. Nochmal möchte ich betonen: Pferde sind Individuen. Ich kann keinerlei Garantie dafür geben, dass das hier Geschriebene ausgerechnet auf ihr Pferd passt. Manchmal stimmt die Beziehung ja auch, wenn nicht alles immer perfekt läuft, aber wenn man schon Zeit zusammen mit seinem Pferd verbringen möchte, dann kann man diese ja auch dazu nutzen, die Beziehung zu diesem zu vertiefen, oder?