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Samstag, 1. Oktober 2011

Der Eselhengst

Heute, da sitze ich zum ersten Mal hier auf unserer Wiese mit dem Laptop und mir wird bewusst, dass einer unserer vierhufigen Familienmitglieder auf diesem Blog bisher deutlich zu kurz kam : unser 16jähriger Eselhengst Fanou.

Eigentlich vergesse ich damit unseren besten und wichtigsten Lehrmeister zu würdigen, denn nichts geht über die Willenskraft und Persönlichkeit dieses Wesens. Man findet viele Meinungen dazu, dass Eselhengste besonders stur und zum Teil auch sehr territorial bis hin zu gefährlich sein können. Dem stimme ich zu, nur finde ich da nur etwa 10% dessen reflektiert, was unser Eselhengst für uns eigentlich ist.

Ich möchte von Liebe sprechen und von Wahrheit. Das ist es nämlich, was ein Esel immer wieder von einem einfordern wird. Er geht nicht wenn es das nicht braucht, weicht nicht, wenn er nicht weiß, dass du es ernst meinst und wird dich einfach abschleifen, wenn du ihm nichts bietest, wozu es sich lohnte zu bleiben.

Doch gerade das lässt uns spüren, wie wertvoll einem Tier die Beziehung zu uns ist. Fanou ist die Überlegenheit in Person und doch macht es genau das aus, dass man sich in seiner Gegenwart so wohl fühlen kann. Er beherrscht seinen Körper und sehnt sich nach einem ruhigen Moment mit einer Person seiner Wahl, die bereit ist, völlig loszulassen von allen Konzepten und Machtkämpfen.

Es ist alles oder nichts – Wahrheit oder Trennung.

Ich glaube, viele Eselbesitzer werden sich in dem Geschilderten wiederfinden. Jetzt sollte man aber nicht vergessen, dass Fanou Hengst ist und auch bleiben wird. Zwar wirkt er mit seinen 1,08 Stockmaß eher unscheinbar, aber wer die Energie und vor allem körperliche Kraft erlebt, die sich in wenigen Sekunden gezielt entfesselt, lernt man einen gehörigen Respekt vor der Natur !
Die Kraft und Energie die Fanou entfesseln kann ist unglaublich - zusätzlich zu seiner Mimik. Ponyhengst Titi muss ganz schön mitdenken um schneller und geschickter im gelegentlichen Spiel zu sein.

Ein Beispiel : alle jungen Hunde versuchen früher oder später einmal, ob man Pferde eigentlich auch jagen kann. Titi, das Pony findet das immer besonders lustig und kostet mich den letzten Nerv, wenn er mit ein paar kleinen Sprüngen den Hund auch noch zum Spielen auffordert. Ich finde das aber nicht gut und vor allem auch gefährlich. Habe da schon schlimme Dinge erlebt. Wie löst Fanou das Problem eines solchen Störenfrieds ?

Fanou hat den Salzleckstein im alten Paddock wiedergefunden. Ziege Joy würde auch gerne, aber wartet. Deshalb bleibt er auch ganz gelassen stehen. Das er alles im Überblick hat ist keine Frage ...
Er stellt sich in die Mitte seines Paddocks und wartet. Kommt der Hund von hinten, kickt er einmal drohend. Er bleibt so lange stehen, bis der Hund sich ausgetobt hat. Super – aber damit noch nicht vorbei : der Hund wiegt sich also in Sicherheit und stromert in dem Paddock herum. Fanou wartet einen günstigen Moment ab und kommt dann urplötzlich und ganz gezielt von hinten, packt eventuell einmal mit dem Maul zu, quietscht, trötet, stampft und presst die Ohren an den Hals. Noch nie ist einem unserer Tiere etwas passiert und egal ob Hund, Schaf, Katze, Ziege oder ähnliches hat jemals erneut versucht, ihn danach nocheinmal in Frage zu stellen. Das wissend grasen Pony und Esel inzwischen sogar gerne mit den Schafen zusammen (wir sorgen immer dafür, dass die Schafe eine Rückzugsmöglichkeit für Notfälle haben) und die Schafe bleiben gerne in der Nähe des Esels, denn er bietet, eigentlich als Einziger, wirkliche Sicherheit.

Jedes Auto wird begrüßt und jede Fütterung penibel überwacht. Einmal ließ ich Esel und Denicheur zusammen. Nach etwas Herumgelaufe schlich sich Fanou in Zentimeterschritten ganz friedlich an das große Warmblutpferd heran und plötzlich gab er einen grunzenden, erbosten Ton von sich, hüpfte mit allen vier Hufen seitwärts und während Denicheur vor Schreck schon am anderen Ende der Koppel war, stand er zufrieden an dem Platz des Pferdes und las Haferkörner auf.

Ich glaube, Fanou ist für sich der Chef unserer kompletten Wiese und alle sind ihm dankbar. Ich möchte definitv nicht in der Haut der Person stecken, die sich gründlich mit ihm anlegt, aber von solch einem Wesen im Zusammensein lernen zu dürfen, macht mich froh und stolz !

In Schafherden ließ man früher oft Esel mitlaufen, da diese bereit waren, die Herde vor den Wölfen zu verteidigen. Das glaube ich heute ohne zu zögern. Was den sozialen Instinkt betrifft und die Verteidigungsbereitsschaft, so sehe ich wenig, was einen Esel übertrifft. Aber eben auch die Bereitschaft, sich in allem Stolz, an die Seite der Personen zu stellen, die er liebt. Ich kann Fanou heute selbst dazu überreden, im See zu baden – was definitv gegen seine Vorstellungen von Vernunft geht – allein, weil ich es für ihn mache und im guten Willen. Klar geht das nicht über ein bisschen Diskussion – das ist, um sein Gesicht zu waren – aber letztlich genießt er es in den heissen Tagen, wo die Mücken ihm die Beine wund beissen.

Seien sie vorsichtig bevor sie sich einen Eselhengst zulegen, wenn sie glauben, sie könnten ihn brechen – wenn sie ihn stattdessen einfach lieben und ehrlich zu ihm sind, wird er ihnen etwas ganz besonderes geben : ehrliche Verbundenheit und Liebe.

Umso trauriger bin ich natürlich, wenn ich kastrierte Esel sehe – was ist das für eine unschöne Art, ein solch wunderbares Wesen zu brechen !?

Sonntag, 24. Juli 2011

Neuerscheinung: ZWISCHEN HIMMEL UND ERDE - ein Roman von Live Bonnevie

Zwischen Himmel und Erde

von Live Bonnevie

  • ISBN: 978-3-649-60318-4
  • Bestellnr.: 60318
  • 496 Seiten
  • Format: 14,2 cm x 21 cm
  • ab 12 Jahre
  • Übersetzer/in: Dagmar Lendt
  • Hardcover / innen 1-fbg.

€ 14,95

erhältlich im Coppenrath-Verlag

Buchklappentext:  

"Er ist absolut traumhaft", flüsterte Amanda.
"Das ist er", sagte Ylva stolz und lächelte Amanda zum ersten Mal an. Dann wisperte sie Aegir etwas auf Isländisch ins Ohr und streifte ihm das Zaumzeug ab.
Augenblicklich warf sich der Hengst herum, durchquerte den reißenden Fluss und galoppierte auf die offene Ebene hinaus. Amanda blickte ihm nach, bis er am Horizont verschwunden war, und ihr wurde klar: Sie musste Aegir haben! Doch wie konnte sie bloß einen Weg in sein Herz finden ...

***
Bei der norwegischen Erscheinung wurde ich bereits durch einen Clip auf YouTube auf dieses Buch aufmerksam (im Norwegischen ist der Titel "Hestens klan" also "Clan der Pferde"):

Dann wurde es mir weiter von Sabine Birmann empfohlen. Auf der Suche nach Büchern, die sich mit dem Seelenleben der Pferde auseinandersetzen wurde ich sehr neugierig. Konnte es sein, dass dies ein Buch war, welches in der Lage war, einen anderen Blickwinkel zu öffnen der über, ja sehr auf Kitsch getriebene, Storys wie Black Beauty, der Pferdeflüsterer etc. ging?

Um das zu wissen, verschlang ich das doch fast 500 Seiten-Buch innerhalb von 2 Tagen. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal beim Lesen eines Buches so viel Achterbahn der Gefühle gefahren bin; immer wieder vom tiefsten Tief hoch hinauf. Dann wieder eine krasse Wende, die einem fast den Magen umdreht, welche im nächsten Glücksmoment endet.

Ich wurde in keinster Weise enttäuscht. Autorin Live Bonnevie lässt nichts aus und auch nichts ungeklärt stehen. Es zeugt von Mut und Schreibkunst, nicht irgendwelche Statisten im Hintergrund stehen zu lassen. Im Leben ist es doch auch so, dass alles was passiert uns beeinflusst. Wir können nicht sagen, dass wir auf der einen Seite das tun und auf der anderen alles beim Alten lassen. Diese Liebe zum Detail macht die Geschichte stark, egal ob manche Geschehnisse etwas unwirklich sind - sie unterstreichen nur die hochkomplexen Vorgänge der Geschichte, die sonst kaum nachvollziehbar wären.

Man könnte das Buch in zwei Teile gliedern: einen ersten, der stark an Klischees von Pferdegeschichten erinnert (der tolle, unreitbare Hengst und die Vorbereitung auf ein Turnier) und einem Zweiten, in dem alle diese Klischees aufgebrochen werden und die Suche nach der Wahrheit auf einer ganz anderen Ebene stattfindet.

Die Welt der Islandpferde ist nicht das Land meiner Träume; die Wettkämpfe sind hart und man liest in den Augen vieler der Ponys die in Deutschland gelandet sein, dass sie nicht verstanden werden, traurig sind und irgendwie nicht an dem Platz, wo sie hingehören. Doch gerade sie stehen auch für Freiheit, für Freiheit im Leben mit den Menschen. Live Bonnevie berücksichtigt in ihrer Erzählung alle diese Punkte und beschäftigt den Leser damit.
Das Buch erzählt von einem Mädchen, wie wir es aus Büchern schon oft kennen; das alles hat, was wir uns wünschen, aber unter einem familiären Druck steht, der ohnegleichen ist. Hinter ihrem Rücken laufen Wetten auf ihre Leistungen im Reitsport. Der Zwiespalt beginnt, als sie dem Hengst Aegir begegnet, der sie zutiefst berührt und den sie haben muss, denn schließlich ist sie auf der Suche nach dem besten Pferd - aber ist dieses Pferd überhaupt mit dem zu vergleichen, was sie kennt?

Bonnevie beschreibt, dass wir alle die Energien dieser Welt spüren können und nach ihnen suchen - aber manchmal bleibt uns der Zugang dann doch verschlossen, wenn wir nicht bereit sind, uns zu öffnen und altes komplett neu zu hinterfragen.
Quelle: flickr Neil D'Cruze


Fazit: Dieses Buch ist gefährlich, denn es kann alte Muster aufbrechen und den Leser emotional sehr berühren. Ausserdem ist es so spannend, dass ich es keine Sekunde liegen lassen konnte, denn der Erste, der das Buch aufschlug, ließ es sich nur durch Zwang wieder nehmen! Ich bin gespannt, wie es auf Leute wirkt, die noch gar keine Erfahrung mit alternativen Reitweisen haben, aber kalt sollte es eigentlich niemand lassen. Ein gelungenes Meisterwerk, welches ich weiterempfehlen werde und welches auch hier auf dem Blog noch öfter zur Sprache kommen wird!

"Es braucht Zeit und Geduld, um eine Beziehung zu einem Pferd aufzubauen, aber ich kann dir versprechen, dass es sich lohnt."
"Wenn es Caspian williger macht, kann ich es ja mal versuchen."
 "Er ist mehr als willig, du musst nur ein bisschen genauer hinsehen", sagte Torgeir. "Du hast beschlossen, dass er im Stall stehen soll, und als er das Konzept begriffen hat, war er damit einverstanden, nicht wahr? Glaubst du, der Stall wäre seine erste Wahl? Sieh ihn dir jetzt an. Das hier ist seine erste Wahl. Wenn er es sich aussuchen könnte, würde er den Rest seines Lebens so verbringen, aber du hast für ihn ein anderes Leben ausgesucht. Er fügt sich, so gut er kann, aber du bemerkst es kaum. Verstehst du, dass es hart für ihn ist?"
"Irgendwie schon", log Amanda.
Nächste Woche: Exklusiv-Interview mit Autorin Live Bonnevie!!!

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Seelenklempner für Pferde und Pferdeflüstererromantik

Der Traum vom wilden Westen ... ja ja ... ich und meine Geschwister folgen gerade der Serie "Heartland" (auf den Link klicken, dann kommt man zur Playlist der ersten Staffel). Irgendeiner Serie folgt man immer mal und wir wollen uns einmal nicht damit aufhalten, ob sie besser oder schlechter ist als andere. Sie ist dafür gemacht, das Publikum am Ball bleiben zu lassen.Es geht um Wildwestromantik, aber einen besonderen Kassenschlager haben sie sich doch noch ausgesucht: die Hauptperson ist eine "Pferdeflüsterin".Ich finde von daher das Thema sehr gut aufgemacht. Es geht nicht nur abgedroschen darum, Pferde auf Turnieren zu verheizen, so wie ich das bei den Wendy-Comics immer bedauerte. Und es ist auch nicht übermäßig übertrieben als Belehrung zu verstehen. Ich finde es spannend, wenn es darum geht, was die junge Amy für Pferde bekommt und wie sie dann die Persönlichkeit versucht zu erkennen um zu helfen. Natürlich wird sich da an die amerikanischen Pferdeflüsterermethoden angelehnt, aber es kommt z.B. auch TTOUCH etc. vor.
Doch, wenn ich mir das alles so ansehe, fällt die übermäßige Kommerzialisierung dieser Praktiken ins Auge. Was ist das für ein Dienst am Pferd, wenn ich zwar sein Problem behebe, aber es dann wieder stehen lasse? Das hat mich auch bei Monty Roberts immer gewundert, besonders, als ich sein Video gesehen habe. Da arbeitet er mit einem Rennpferd, welches Panik davor hat, in die Startbox zu gehen. Mit doch eher simplen Methoden, die mir nie besonders aussergewöhnlich erschienen, schafft er dieses Trauma ab und dann? Dann muss das Pferd weiter seine Rennen laufen. Wie beim (Seelen-)Klempner: herausfinden was kaputt ist, reparieren und sich dann wieder verabschieden. So betrachtet kann man diese Art der Pferdetherapeuten nicht unbedingt als die Menschen sehen, die das Pferd wirklich als Persönlichkeit sehen. Sie machen ihren Job - macht bestimmt unheimlichen Spaß - aber das Pferd wird nur bereit gemacht, damit es funktioniert. So wie ein Auto in der Werkstatt. Warum aber merkt das niemand? Wieso fällt es uns so schwer uns vorzustellen, wie die Wesen, die uns umgeben zu fühlen, oder es zumindest zu versuchen? Und wenn ich dann schon herausgefunden habe, woran es liegt, wie kann ich dann so blind sein und nicht tun, was meinem Herzen entspricht.
Wenn man die zum Teil ja schon sehr abgeschalteten Pferde sieht, die in den Heartland-Filmen vorkommen kann ich mir allerdings vorstellen, dass es schwer ist, an die Persönlichkeit dieses Wesens zu glauben. Vor diesen Pferden hätte ich auch keine Angst, aber ich habe erlebt, welche Energie eigentlich in einem Pferd steckt ....
... wenn Denicheur seinen guten Tag hat und vor mir steigt, sich herumwirft und mit allen Hufen durch die Luft wirbelt, und dann, im nächsten Moment zärtlich darum bemüht ist, dass sein Reiter kein Grund zur Angst hat und seine Augen trotzdem mit dem gleichen Feuer funkeln, dann weiß ich was ein Pferd eigentlich sein will ...
... danach fahre ich an den Gestütsweiden von Cluny vorüber und sehe auf den Koppeln die Fohlen wild umher tollen und frage mich, wie man eigentlich auf die Idee kommen kann, diese kraftvollen Wesen eines Tages derart schikanieren zu wollen ...
... bitte versteht diesen Text als Gedankenanregung und nicht als Besserwisserei oder gar Angriff auf bestimmte Methoden mit Pferden zu arbeiten. Wer sein Pferd wirklich liebt, wird seinem Herzen folgen und danach handeln - egal wie die Handlungen dann im Einzelnen aussehen.

Fotos: aus der Serie Heartland - Paradies für Pferde - Staffel 2 Folge 1 Sweet Sixteen

Mittwoch, 23. September 2009

Das Steigen

In der letzten Zeit (nach meinem Besuch bei Sabine Birmann) durfte ich ganz aussergewöhnliche Momente zusammen mit meinen Pferden erleben. Wir kommen immer weiter und die Beziehung wird immer tiefer durch gemeinsames Schauen und suchen.
Steigen ist keine Dressur. Man kann das Steigen einem bestimmten Typ Pferden beibringen, aber niemals wäre ich über die Dressur zu soetwas leibhaftigem mit Titi oder gar Denicheur gekommen.
Prinzipiell faszinieren uns steigende Pferde und machen uns gleichzeitig auch Angst. Wer kennt nicht den Traum vom in freier Wildbahn steigenden Hengst und wer kennt nicht auch die Angst vor einem direkten Angriff eines so starken und mächtigen Tieres wie dem Pferd.
Wenn ich früher Pferde in Vorführungen der Hohen Schule habe steigen sehen, war ich immer irgendwie enttäuscht. Ich wusste nie wieso. In letzter Zeit habe ich das begriffen. Die Hohe Schule will uns vermitteln, alles wäre fürchterlich kompliziert und nur durch größte Kraftanwendung zu erreichen - manche übertreiben dann schon so weit, dass ihre Pferde nicht einmal mehr einen ruhigen Schritt vorlegen können. Darüber möchte ich mich nun aber nicht auslassen (es gibt da ja auch tolle Reiter), aber ich suchte etwas anderes.
Titi war immer schon dem Steigen verpflichtet. Er machte das nicht nur in Rangkämpfen (aber AUCH dort), nein, Titi war in der Lage, sich wie eine Ziege auf die Hinterfüße zu stellen um die Blätter eines Baumes zu erreichen. Er machte sich von sich selbst aus einen Spaß daraus.
Für mich war das Steigen bis vor kurzem etwas vor dem ich mich fürchtete: das war der gerade frontale Angriff. Ich hatte daraus ein Prinzip gemacht, ohne darüber nachzudenken. Heute weiß ich woher das Prinzip kam: einem Hengst in der Art erlauben zu steigen, schraubt die ganze Arbeit um noch ein Niveau höher. Im Klartext: wenn sich mein Pferd in aller Freiheit ausdrücken darf und soll, dann sind keinerlei Kompromisse mehr zulässig und nur wer echt und klar und vor allem souverän genug ist, kann diese Form der Beziehung überhaupt eingehen.
Ein Beispiel: schon lange arbeitete ich mit Titi an dem Spanischen Schritt (weil das das einzige von den Zirkuslektionen war, was wirklich geklappt hat^^). Das fand er toll, aber es war immer so ein Hin und her und er machte das schnell immer dann wenn er was wollte und rückte einem damit richtig auf die Pelle. Aber das war ja noch im Rahmen zu halten. Er war ja soooo süß.
Erstes wirkliches Umdenken kam dann mit dem Kurs hier in Frankreich. Der Grund, das Steigen nicht zu machen, war für mich ja immer gewesen, dass er dieses nicht gegen mich verwendet. Das war aber eine arme Täuschung - denn wieso hätte er es denn vergessen sollen? Er war nur respektvoll mir gegenüber, aber hatte kein Problem das anzuwenden. Steigen ist ja kein "Trick" sondern eine ganz klare Botschaft. Also stieg er mich an und brachte all die immer wankelnde Führung, die auf zu vielen Kompromissen basierte, mal aufs Tapet. Es war keine gefährliche Situation für mich, aber ich fühlte mich überfordert, wusste aber auch nicht genau, was ich hätte anders machen müssen.
Dieses Erlebnis ging mir in der ganzen Arbeit noch nach und dann war ich bei Sabine und durfte ihre wunderbare Arbeit mit ihren Pferden erleben - welch Stolz, welch Kraft und Energie!!! Und belebt davon kam ich zurück und setzte dies in der Arbeit mit meinen Pferden um (so gut es mir eben möglich war).
Auch das Steigen probierte ich. Titi stieg gleich beim ersten Mal. Bei Denicheur holte das ersteinmal wieder tiefere Traumaprozesse hoch ... an denen arbeiten wir gerade.
Titi freute sich riesig über diese neue Übung und je öfter ich ihn anstieg, desto stolzer wurde er - aber desto mehr wuchs auch bei mir die Angst, hier etwas beizubringen, was ich nachher nicht mehr handeln könnte.
Und genau hier liegt der Schlüssel: solange ich mir nicht zutraue, mit der Situation fertigzuwerden und Angst als Vorwand nehme, kann sich mir mein Pferd nie wirklich hingeben. Wir verbringen vielleicht eine nette Zeit miteinander und wir mögen uns gegenseitig, aber erst wenn ich jemanden als Ganzes nehme, in allem was er ist, kann eine solche Hingabe stattfinden. Titi ist ein stolzer Hengst, der sich präsentieren möchte, dies muss ich aufnehmen und ich kann ihn - wenn überhaupt - nur fördern, wenn ich auch über mich hinaus gehe. Dann entsteht Beziehung und damit sind wir auch weit entfernt von den Zirkuslektionen.
Titi hat eine solche Freude gewonnen dadurch, dass wir mit jedem Mal weiterkommen. Vorher hat er mich jedesmal erst noch testen müssen - jetzt freut er sich schon darauf (und wenn es nur das Steigen ist LOL) und indem ich Raum für seine Bedürfnisse gebe, bekomme ich Raum für Dinge, die ich mir nie zu erträumen gewagt hätte.
Und mit Denicheur - ja, da kann ich jetzt meine Angst auch ehrlich sehen und mich nicht immer darüber wundern was mich blockt. Ich bin ehrlich wenn ich sage, dass es mir unheimlich ist bei manchen Dingen in seiner Nähe. Zu dem kann ich jetzt stehen und sage aber auch, dass ich daran arbeite. Wir wachsen immer weiter.
Und dann war der Tag, wo er mir letzte Woche zum ersten Mal das Steigen aufgenommen hatte - es gibt keine Worte die es Beschreiben, was das für ein Gefühl ist, wenn der Fluss stimmt und man dann über sich hinauswächst. Inzwischen nimmt er es mir fast immer auf: mal schlägt er nur mit dem Vorderhuf, mal nur mit dem Kopf, aber er kapiert es langsam und ist mit Herzen dabei.
Ich hoffe, ich komme in der nächsten Zeit mal wieder zum Filmen - aber was an einem Tag gefilmt wurde, ist am nächsten Tag schon wieder überholt.
Bis bald.
JaanaFotos: (1,2,5 von Christiane Slawik), 3 Titi jajofo.de, 4 (Sabine Birmann)

Samstag, 10. November 2007

Wahre Schönheit

Wir alle bewundern Pferde aus bestimmten Gründen: Stolz, Kraft, Schönheit, Erhabenheit, Freiheit ... Mit diesen Werten identifizieren wir uns selbst oder streben sie an. Ich kenne niemand, der wirklich etwas gegen Pferde hat oder der nicht die gewaltige Symbolkraft der Pferde nachfühlen kann. Ganz besonders tun das natürlich wir Pferdefreunde. Aber wir, die wir uns also "Freunde" des Pferdes nennen, was tun wir mit ihm?

Wir wollen diesen Stolz brechen, die Kraft zähmen, die Schönheit besitzen, Erhabenheit erlangen und Freiheit ... leben???? Wir fühlen uns toll, wenn wir dies alles getan haben, fühlen uns schlau und überlegen. Doch sagt mir ehrlich, wo sind hier die Eigenschaften geblieben, die wir an den Pferden so schätzen:
Ist das überhaupt noch das Pferd, welches wir in der Wildnis gesehen haben? Fühlen wir uns jetzt wirklich stolz, erhaben, frei, kraftvoll, schön und vor allem ... glücklich?

Ich glaube, der Mensch hat immer den Wunsch an allem "teilzuhaben". Wer einmal junge Katzen hatte, der weiß, wie schwer es ist, einfach zuzusehen ohne selber zu versuchen, mitzuspielen. Ich möchte nicht werten. Ich weiß nicht ob es eine gute oder schlechte Eigenschaft ist, an allem immer mitmachen zu wollen. Gerade die Pferde zeigen uns, dass wir doch viel erreichen können! Es ist nicht so, dass reiten etwas schlechtes ist. Pferde können diese Erfahrung durchaus schätzen - ich glaube, das hat jeder Reiter erlebt. Aber nur deshalb das Pferd allein für unsere Zwecke auszunutzen ... ? Ich möchte das auf jeden Fall nicht mehr tun. Ich möchte mich üben darin, diesem wundervollen Wesen zuzuhören und bevor ich versuche einzugreifen erst nachfragen, ob ich nicht gerade störe. Denn wirklich wahre Schönheit ist für mich ein freies und glückliches Pferd!
Hier noch ein Nevzorov-Video welches, finde ich, auch sehr aussagekräftig ist. Schaut es euch an und lasst es auf euch wirken!

Dienstag, 6. November 2007

Ein paar Minuten Filmeschauen

Da bin ich wieder. Leider etwas krank, aber des gestrige freie Tag hat mir neue Kraft gegeben. Da ich gestern und heute den ganzen Tag warm eingepackt innerhalb eines Hauses verbracht habe, kam ich zu kaum neuen Gedanken oder Erfahrungen bezüglich Pferden. Von daher will ich heute ein paar Videos posten, die mich sehr berührt haben. Wenn ihr die untenstehenden YouTube-Favoriten schon durchgeklickt habt, dann denke ich, werdet ihr hier kaum Neues finden, aber für alle anderen empfinde ich es als MUSS sie durchzuschauen und sich Gedanken darüber zu machen.

Zuersteinmal möchte ich an HEMPFLING erinnern. Hier ein Clip:


Ich finde das echt enorm schön, wie man sieht wie Pferd und Mensch sich aufeinander abstimmen. Es ist wirklich ein Tanz in jedem Sinne. Schaut euch jetzt das Video bitte nochmal an und beobachtet, wie exakt das Pferd dem Menschen folgt, oder folgt der Mensch dem Pferd?

Ich bin noch nicht wirklich in die Hohe Schule eingedrungen wie auf diesen Bildern, aber ich habe Momente mit Pferden erlebt, die ähnlich waren. Es gibt kaum schöneres!!! Für mich geht das eher in Richtung allerhöchste Schule als wie dies hier:

Natürlich sieht auch das nett aus, aber nirgendwo sehe ich diese Harmonie wie auf den Bildern oben aus dem Hempfling-Video. Überall stehen Leute herum die an den Pferden herumziehen. Ich möchte diese Leute nicht kritisieren, aber ich finde oberes eben schöner, ansprechender und anregender.

Hier noch ein paar andere Videos von Hempfling:

Ich finde es echt spannend, was zwischen Mensch und Pferd passiert:


Mehr Videos demnächst!

Bis bald!
Jaana

Samstag, 3. November 2007

Worum es hier geht

Hallo!

Bevor ich jetzt hier gleichmal anfange alles zu gestalten, ewig an einem Logo bastle und meine ersten Erlebnisse poste (mit kribbelts schon total in den Fingern!) , möchte ich jetzt ersteinmal erklären, wer ich bin und wozu dieser Blog eigentlich da ist.

Auf dem Foto seht ihr mich und könnt euch mich vor euer eigenes Auge holen. Ich bin derzeit 20 Jahre alt und lebe im französischen Südburgund. Dort habe ich einen kleinen Laden. Mehr über mich werdet ihr demnächst detailliert in meiner Beschreibung am rechten Rand der Seite finden.

Jetzt aber zu den Pferden.

Pferde haben mich immer schon begleitet und sie sind Wesen, die ich unbedingt um mich haben muss. Ich glaube, andere Pferdenarren werden dieses Gefühl verstehen. Um eine kurze Chronologie meiner Pferdeerfahrungen zu geben: mit 9 bekam ich mein erstes eigenes Pferd, bin aber schon vorher auf diversen Pferden und Ponys gehockt. ;) Währen den 2 Jahren die ich mit 12/13 Jahren in Indien verbrachte hatte ich 2 Ponyhengste und ein Eselfohlen in meiner Pflege und als ich dann zurück in Deutschland war hatte ich diverse Pflegepferde und Reitbeteiligungen. Aktuell haben wir hier in Frankreich einen Ponyhengst namens "Titi" und einen Esel gleichen Geschlechts mit dem Namen "Fanou" die ich zusammen mit meinen Geschwistern (ich selbst bin zu schwer um auf dem kleinen Shetty zu reiten) zugeritten haben.



Ich war immer schon in Pferde vernarrt. Wie alle jungen Pferdemädchen habe auch ich die Wendy gelesen und Turniere einfach nur für klasse gehalten. Allerdings war ich schnell in Kreisen von Leuten die anders über Pferde denken und einen, wie man so schön sagt, natürlicheren Weg im Umgang mit Pferden suchen. Ich habe alles Mögliche mir erarbeitet: Linda Tellington-Jones, Hempfling, Roberts, Parelli, Zirkuslektionen, die klassische Reitweise, Western ... alles für mich durchdacht und zum Teil nur in Ansätzen, zum Teil aber auch auf höherem Niveau gearbeitet.

Ich habe knapp 2 Jahre in Indien gelebt, wo es keine Koppeln und Ställe gibt wie wir sie in Europa verstehen. Meine Pferde lebten frei: morgens ließ ich sie auf Wanderschaft gehen und Abends fing ich sie wieder ein und gab ihnen gutes Heu. Es waren Hengste und ich glaube, die meisten Erfahrungen im Umgang mit Pferden habe ich entschieden dort gemacht. Dort musste ich auf anderen Ebenen kommunizieren; ich hatte kein Halfter oder Zaumzeug zu meiner Verfügung, lediglich einen Halsriemen.

Nach den Erfahrungen dann in Deutschland wurde mir klar, dass ich anders mit Pferden umgehen will, als sie hinter einen Zügel zusammenzuschnüren und sozusagen für meine Freuden "auszunutzen". Ich gebe gerne zu, dass es viele gibt, die anders denken, die fühlen sich hiervon bitte nicht angegriffen, aber vielleicht gibt es auch einige, die verstehen was ich meine und die diese Gefühle von sich selbst kennen. Diese möchte ich durch diesen Blog dazu anregen, weiterzudenken und Erfahrungen auszutauschen.

Weiteres folgt in den kommenden Posts.

Ich danke auch nochmal allen, die mir ihre Bilder, Ideen, Gedanken und Kraft zur Verfügung stellen!

Jaana

PS: Über Kommentare und auch Kontakt per E-mail ( jaana.lohff@gmail.com ) freue ich mich natürlich auch sehr!