Samstag, 16. Juli 2011

Gemeinsame Mahlzeiten

Was kriegen wir eigentlich vom Leben unserer Pferde ausserhalb unserer "Arbeitszeiten" mit? Wissen Sie zum Beispiel, welche Kräuter es am liebsten frisst?
Wir sprechen davon, etwas FÜR und MIT dem Pferd zu tun ... - was macht ein Pferd den ganzen Tag? Theoretisch könnten wir doch einmal "mit ihm mitgehen", uns ansehen, was es gerne mag und gleichzeitig etwas für es tun; ein kleiner Spaziergang, wo man nur zu einer schönen Stelle Gras geht und dann beobachtet. Frisst Ihr Pferd die langen Halme oder lieber die Kurzen? Bleibt es an einer Stelle oder möchte es konstant weiterziehen?

Schnappschuss: unterwegs mit Pony Raja
Pferde verbringen mehr als die Hälfte des Tages mit Nahrungssuche und Fressen. Als ich in Indien täglich mit meinen Ponys unterwegs war, da wurde ich ein Teil dieser Aktiviät (habe natürlich kein Gras gegessen ;-). Das war etwas, was ich nur für mein/e Pferd/e gemacht habe. Das war, ein Mitglied der Herde zu sein; gemeinsam loszuziehen und nach Gras zu suchen.
Pferde, und ich möchte fast sagen, Pflanzenfresser allgemein, nutzen das gemeinsame Fressen auch als Ritual für sozialen Zusammenhalt. Anders als ein Fleischfresser, ist der Zugang zur Nahrung meistens nicht sehr kompliziert - was man sich nehmen muss ist die Ruhe und Besinnlichkeit, lange genug zu fressen um eine ausreichende Menge Nahrung aufzunehmen.

Nie hätte ich gedacht, dass es so aufregend sein kann, einem Pferd beim Grasen zuzuschauen! Im Allgemeinen braucht es 5 bis 10 Minuten bis sich ein Pferd oder eine Herde an einer Stelle ausreichend entspannt um geruhsam zu fressen. Die Energie verändert sich - sehr deutlich spürbar. Erst dann entsteht das Bild welches man vom grasenden Pferd eben so hat und wo es sich "den Bauch vollschlägt" bis irgendwann der Sättigungspunkt kommt.
Letzteren bemerkt man ebenfalls deutlich, denn auf einmal ist die Ruhe dahin, das Gras nicht mehr spannend genug und es wird herumgelungert, zur Tränke gegangen, im Schatten gedöst oder irgendein Unsinn gemacht, welcher sich früher oder später bemerkbar macht. Pony und Esel beschliessen dann z.B. die zwei anderen Pferde aufzuheizen oder einen Ausflug in den Wald zu machen.

Denicheur und Jonathan 2008
Ich mache das inzwischen mit jedem meiner Pferde, auch wenn diese eine eingezäunte Koppel haben. Die Situation, einfach einmal nichts zu wollen vom Pferd, zu warten, innezuhalten, zu beobachten und gleichzeitig den Moment teilen; sich zu freuen, wenn das Pferd etwas Leckeres gefunden hat.
Ganz zwanglos ist man im Alltag mit dem Pferd, kann seine Führposition "üben" und beim Rein und Raus aus der Box oder dem Paddock Kleinigkeiten klären. Das ist viel mehr, als in einer schlechten, erzwungenen Arbeitssequenz, wo es dann doch darauf hinausläuft, dass das Pferd irgendetwas bestimmtes machen soll!

Können wir das überhaupt noch? 20 Minuten entspannen und dem Pferd zuschauen?

Folgendes mache ich übrigens nicht:

- mich von meinem Pferd hinterherschleifen lassen. Stattdessen gehe ich immer einen Schritt voraus und bestimme die Richtung. Klar kommt es mal zu Meinungsverschiedenheiten, aber ich lasse mich nicht hinterherziehen!
- das Grasen von meinem Pferd einfordern lassen. Es gibt Momente, das wird gefressen und andere, da wird gegangen. Um den Unterschied deutlich zu machen, gehe ich in die Hocke und rupfe manchmal selbst ein bisschen Gras.
- gleich beim Koppelausgang grasen lassen. (Ausser ich lasse die Pferde einfach frei) Lieber nutze ich den Moment, an irgendeinen schönen Ort zu gehen und habe damit gleich einen kleinen Spaziergang kombiniert.
- meinem Pferd aufdringlich auf die Nerven gehen. Fressen ist Fressen - kein wissenschaftliches Experiment. Kann man sich nicht ruhighalten, dann kann man den Moment zum in sich gehen und meditieren nutzen.

Zum Schluss ein schönes Zitat von Sabine Birmann aus ihrem Buch:
"Ein Pferd, ein Tier und auch ein kleines Kind befinden sich noch im totalen Einklang mit der Natur. Wenn es geht, geht es wirklich, wenn es ißt, dann ißt es wirklich und wenn es ruht, dann ruht es wirklich. [...] Doch das Pferd gibt uns als Wesen auch die Chance [...] zu erfahren, was es wirklich bedeutet, zu leben ... was es wirklich bedeutet zu Sein ..."

Kommentare:

Insa´s hat gesagt…

hallo :)
ich finde deinen blog wirklich richtig toll und freue mich immer wieder wenn ich sehe das du was gepostet hast. es sollte viel mehr menschen geben die so denken und sich pferden gegenüber so verhalten wie du. deine sicht auf die dinge finde ich bewundernswert und tipps die ich auf deiem blog finde versuche ich immer möglichst sofort mit meinem pferdchen umzusetzten.
ich wünsche dir noch ganz viel spaß mit deinen pferden und
weiter so! :)
lg insa

Jaana hat gesagt…

Hallo Insa!
Es freut mich sehr, dass du hier Anregungen findest und der Blog dir gefällt! Ich hoffe mit meinem Blog einfach mal etwas anderes in die Welt zu setzen und zum Nachdenken anzuregen, ohne jemanden gleich zu verurteilen. Was hast du denn für ein Pferd (jetzt bin ich neugierig geworden ;-)?
LG
Jaana

Insa´s hat gesagt…

einen hafi. hab ihn jetzt fast 2 jahren glaub ich und er ist mein absolutes traumpferdchen :)

Anonym hat gesagt…

ich habe das buch auch gelesen und bin ebenfalls sehr begeistert davon. Allerdings deprimiert mich das buch auch etwas,da ich das gefühl habe niemals so mit Pferden umgehen zu können wie Amanda in diesem Buch.Ich weiß nicht,wie ich es schaffen soll so etwas zu fühlen wie Amanda und mit den Pferden so verbunden zu sein wie sie. Auch weiß ich nicht,wie ich diese energieen,von denen indem buch gesprochen wird,fühlen kann oder wer mir dabei helfen kann,

Anonym hat gesagt…

hallo ich bins noch einmal.ich wollte auch noch deinen Block loben.es gibt viele tolle Themen und natürlich habe ich mich auch über das Interview mit live bonnevie gefreut.ich freue mich auch schon auf ihr neues Buch,hoffentlich wird es auch in deutsch übersetzt.ach und noch eine Frage :du erzähst in deinem Block von Ponys in Indien,was hast du da mit den Ponys gemacht? (ich würde gerne ins Ausland und dort eine Zeit lang mit pferden arbeiten)
Mach weiter so und schreib mir mal!

Jaana Hoffmann hat gesagt…

Hallo "Anonym"!
Deine Rückmeldung freut mich sehr. Wenn du nach einem Weg mit den Pferden suchst, dann empfehle ich dir unbedingt das Buch "Mit Pferden sein ... ein gemeinsamer Weg zu einer außergewöhnlichen Verbindung" von Sabine Birmann. In Indien lebte ich knapp zwei Jahre und die Ponys habe ich von der Straße aufgenommen und in dieser Zeit gepflgegt.
LG
Jaana