Mittwoch, 3. Juni 2015

Dressur ... seufz


Schon eine halbe Ewigkeit schrieb ich keinen solchen Artikel mehr auf diesem Blog, weil es mir im Prinzip wichtiger ist, die positiven und schönen Dinge hervorzuheben, die ich mit meinen Pferden erlebe.
Am Wochenende war ich jedoch in der Stadt und durch Zufall war dort gerade ein Dressurturnier. Wer nun Sportreiter ist und gerne Turniere reitet, der ist hier nicht richtig, denn ich möchte etwas hinterfragen.

Ich möchte nun nicht meine grundsätzliche Meinung zum Reitsport hier niederschreiben, sondern teilen, was mir durch den Kopf ging. Warum Reitsport? Warum begeben wir uns in solch stressige Situationen? Jeder kann doch erkennen, dass weder die Reiter noch die Pferde glücklich und frei aussehen! Man sieht vor allem ein Streben nach Perfektionismus und viel Druck.

Turnierpferd - 2006
Am nächsten Tag fuhr ich um meine Schwester bei ihrem ersten Wettlauf anzuspornen. Über 1500 Menschen nahmen Teil für einen guten Zweck. Ich schaute in die Gesichter der Teilnehmer und eines fiel mir auf: da war auch eine Form des Ehrgeizes - möglichst schnell zu laufen, seinen Körper zu trainieren und sich an seine Grenzen zu treiben. Am Ende sah der Großteil der Menge zufrieden aus - motiviert für ein nächstes Mal.

Doch würde ich jemanden zwingen dort mitzumachen? Meinen Partner, meinen Freund oder mein Kind?

Diese Frage fehlt mir so oft, wenn ich sehe was Menschen mit ihren Pferden machen. Niemand fragt das Pferd, ob es in “Anlehnung” eine Stunde lang in monotonen Figuren auf dem Platz herumtraben will, welche zuvor zu Hause in hunderten Stunden bereits eingeübt wurden.

Das Pferd ist für uns Luxus … aber stehen wir nicht auch einem fühlenden Lebewesen mit einem eigenen Willen gegenüber?


Mit diesen Überlegungen wünsche ich euch eine schöne Woche! Vielen Dank für eure Kommentare und “Gefällt mir’s” auf Facebook - ich schätze sie alle sehr!
  • Jaana

    Achja, und noch eine Ankündigung habe ich für euch: wer mich und meinen Blog unterstützen möchte - es gibt nun einen Spreadshirt Shop www.jaanasartwork.spreadshirt.fr wo ich selbstgezeichnete Motive auf Shirts und anderen Kleidungsstücken verkaufe. Schaut vorbei!

     

Kommentare:

Miri hat gesagt…

Solche Gedanken mache ich mir auch immer öfter. Letztes Wochenende war ich zum ersten Mal auf einem Workshop "außerhalb" - allerdings ohne Pferd, weil wir vor zwei Wochen erst in einen Offenstall umgezogen sind und ich meiner Stute diesen Stress noch nicht zumuten wollte. Ich glaube schon, dass ein "Ausflug" auch stärken kann - wieso man sich dabei allerdings mit anderen messen muss ist und bleibt mir ein Rätsel. Auf dem Lehrgang habe ich gehört: Es gibt Menschen die lieben Reiten - und es gibt Menschen die lieben Pferde. Wahre Worte, wie ich finde!

Ich freu mich, dass ich deinen Blog entdeckt habe! Ganz liebe Grüße, Miri
www.meinfaible.de

Jaana Hoffmann hat gesagt…

Ja, jedoch ist es nicht das Reiten. Vor einiger Zeit habe ich auf einer Zugfahrt einen langen Artikel dazu geschrieben, mich aber dann doch entschlossen, ihn nocheinmal zu überarbeiten. Die Frage ist immer wieder von vorne: warum mache ich, was ich tue und kann ich mir diese Frage überhaupt einmal beantworten?

Pferde lieben Ausflüge - aber sie mögen nicht für unser Ego benutzt werden und funktionieren müssen. Eine Kommunikation sollte eigentlich beidseitig sein: jeder gibt dem anderen eine Antwort. Doch meistens wird das Pferd zu einem reinen Befehlsempfänger degradiert: es muss blind jeglichen Befehl ausführen, den wir ihm geben. Ob es darin einen Sinn sieht wird kaum gefragt.

Viele liebe Grüße,
Jaana