Dienstag, 8. November 2011

Hengste - Kraft, Energie und Hingabe ...

... zu nichts passen diese drei Begriffe besser, als zu dem, was man in der Arbeit mit einem Hengst erfahren darf. Nach meinem Artikel von letzter Woche erhielt ich viele spannende Rückmeldungen und freue mich, dass Kontakte und Diskussionen entstanden sind.

Hengst Jasmir, den ich bereits erwähnte, hier bei der freien Boden-arbeit mit seinem Besitzer Dan. Hengste wollen sich in all ihrem Stolz und ihrer Pracht zeigen können.

Sie wollen einen Partner, der ihnen würdig ist, der mit beiden Beinen auf dem Boden der Realität steht und der gerecht ist. Ein Hengst wird immer wissen wollen, wer der Stärkere, Klügere und auch Schnellere ist, denn das ist es, was in seiner Natur den Unterschied macht. Jemand, der noch nicht einmal seinen eigenen Vitalraum verteidigen kann, kann schwerlich ein ernstzunehmender Partner sein, geschweige denn wird er sojemandem die Führung überlassen. Und eine Führung wird man brauchen, denn es ist in unserer Gesellschaft nicht akzeptiert, einen Hengst einfach in die nächste Stutenherde laufen zu lassen.


Hengst bei einem Turnier
Hengstiges Verhalten schätzt in den normalen Reiterhöfen kaum irgendwer. Hengsthaltung ist eher das große Problem überhaupt. Traurig ist es, wenn diese Tiere, die Hengst gelassen werden für Zuchtzwecke, in der Box angebunden werden müssen und wenig zugefüttert bekommen um einfach die Kraft nicht mehr ausleben zu können.

Auf einem Turnier sehe ich nur, wie alle schön aussenherum reiten, wenn die Leute mit dem Hengst kommen. Andere wiederum sind so naiv, dass sie meinen, sie könnten mit ihrer rossigen Stute einfach mal vorbeireiten, schließlich wäre der Hengst ja erzogen.

Als ich mich damals zum ersten Mal auf einem Pferdeforum vorstellte, hagelte es Donnerwetter. Ich war selbst noch ziemlich größenwahnsinnig, aber als ich davon zu erzählen begann, ich hätte einen Shettyhengst, ging es erst richtig los; ja, das wäre ja das, wo die ganzen "Hinterhofzüchtungen" entstehen würden und sowieso wäre es doch unverantwortlich, einen Hengst dort zu halten, wo sich auch manchmal Kinder aufenthalten. Hengste wären sowieso unnötig und dumm und was weiß ich ... naja, zu so dämlichen Äußerungen möchte ich jetzt kein weiteres Kommentar anfügen.

Jasmir darf Stuten-Gucken
Ehrlichgesagt ist die einzige "Hinterhofzüchtung", die ich in all diesen Jahren erlebt habe, dadurch entstanden, dass der Kaltblut-Zuchthengst eines Hofes über oder besser gesagt durch den Zaun ging um auf die an der Hand geführte Stute auf der Straße zu springen - aber mein Gott, das ist ja nicht so schlimm; er ist ja gekört *lang-anhaltendes Kopfschütteln*
Leben Wallache wirklich glück-licher, weil sie in der Herde sind und dafür aber einen Teil ihrer Persönlichkeit lassen mussten? Ich glaube, das ist relativ zu sehen. Viel zu wenige Menschen sind überhaupt in der Lage, die Emotionen ihrer Pferde zu sehen oder zu deuten. Was ist denn das bitteschön für eine Identität, ein Wallach zu sein? Wenn wir uns anschauen, in was für Krisen sich manche Menschen stürzen, weil sie unfruchtbar sind, wer sagt, dass Pferde nicht auch Ähnliches fühlen können?

Friesenhengst Thor - 18 Jahre
Da kommt dann natürlich die Frage: wer sind wir eigentlich, dass wir uns einbilden, entscheiden zu dürfen, wer sich wann, wie und wo fortpflanzen darf und wer nicht? Vor allem nicht bei unserer Spezies, sondern bei den anderen - die haben nicht so viele Rechte wie wir, die "Dominierenden". ... 

LOL - das alles ist schon sehr abstrus! Diese Philosophiererei hilft aber dem Hengsthalter auch nicht sehr viel weiter und ehrlichgesagt wird sie auch das Pferd nicht interessieren, denn ein Pferd lebt immer im Jetzt, in dem Moment, der sich ihm gerade bietet.

Bis das Pferd 2-3 Jahre ist haben sie als Pferdebesitzer scheinbar heute die Pflicht, sich mit dem Gedanken der Kastration auseinanderzusetzen - alles Spätere macht wirklich keinen Sinn mehr. Entscheiden sie sich DAGEGEN, so wird ihr Weg sicher ein völlig anderer sein, als mit dem gleichen Pferd als Wallach.

Übrigens: wenig praktiziert, ist die Sterilisation auch eine Möglichkeit, welche den Hengst zeugungsunfähig macht, aber seinen kompletten Hormonhaushalt intakt lässt, da nicht amputiert wird, sondern "lediglich" die Samenleitern durchtrennt.

Tom kann mit Thor auch mit fremden Stuten im Gelände ausreiten. Hier ist Trakehnerstute Muran dabei, welche gerade eingeritten wird und zum ersten Mal mit ins Gelände geht. Die Stute geht gebisslos.
PS: Mein Dank für die freundliche Zur-Verfügung-Stellung dieser fantastischen Fotos geht an Sabine, Dan, Tom und Munja!

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich habe selber "Hengste gehalten einen Pinto und einen Connemara-Araberhengst beide lebten sehr lange zusammen und das war das schöne,,sie vertrugen sich auch dann noch wenn der andere von einer Stute kam,,ok erst gab es gequike und ein bisschen gerangel,,aber es blieb immer ohne Kämpfe,oder verletztungen,,,,leider mußte ich Odin dann später doch Kastrieren lassen da er mit 7J, anfing unsere Junghengste im Hengstgriff zu packen und zu steigen und sie dann auf den Boden zu schmettern,,,Und Amigo habe ich aus diesen einen Grunde dann verkauft weil ich Angst hatte das er es dem anderen gleich tun würde,,,,aus spiel wurde da leider dann bitterer ernst,,,,Aber als sich meine Tochter ein eigenes Pony wünschte da war es wieder ein Hengst und dfas blieb er gant lange jahre auch,,erst als sie ihn jetzt verkasufen mußte da wurde er gelegt,,und die konsequents daraus ist das er der neuen Besitzerin ihr rechtes Knie demoliert haben soll,,,angeblich er war nie böse er wurde mit und ohne Sattel geritten und auch oft ohne Trennse und nur mit Hals Seil ,,,Ich würde wieder einen Hengst haben wollen ,,wenn ich nicht zu Krank jetzt wäre,,,ihre anmut und kraft ihre ausstrahlung und auch das vertrauen was man da aufbauen kann hat mir nie wieder ein Pferd entgegengebracht weie mein Amigo

Jaana hat gesagt…

Hallo!
Habe mich sehr über deinen schönen Kommentar gefreut und entschuldige mich gleichmal, dass ich so spät erst antworte.

Ja, je älter ein Pferd wird, desto schwieriger wird es, einzuschätzen, in wie weit sich das Verhalten eines Hengstes nach der Kastration überhaupt und wenn, in welche Richtung entwickelt. Häufig habe ich erlebt, dass sich gar nicht ändert und die anderen Male wurde das schlechte Verhalten entweder noch schlimmer oder es ergaben sich echte Störungen. Bei Hengsten, die über 5 Jahre waren, die ich erlebt habe - hat das gar keinen Sinn mehr gemacht.

Das Verhalten ist dann ja da und verinnerlicht - !

Von daher ist es auch traurig, was du erzählst. Ein Hengst kann sich sehr tief an seinen Menschen binden und ist bereit, diesem alles zu geben.

Deswegen sind einige Hengste auch glücklich, wenn sie zwar nicht im großen Herdenverband leben können, aber dafür bei dem Menschen, den sie lieben.

VLG
Jaana

K.B. hat gesagt…

Hallo!
Ich habe deinen Blog erst jetzt gefunden und finde ihn super interessant. Auch ich habe Sabine kennengelernt. Ich hatte damals auch 2 Hengste ein Isi und einen Isi-Shetty-Mix. Diese Energie..Wahnsinn. Auch das Vertrauen, welches mein Isi zu mir hatte. Ich bin frei mit ihm spazieren gegangen usw. Ich musste dann umziehen, hatte neue Arbeit und habe keinen Platz für meinen Hengst gefunden(Meinen Kleinen hatte ich schon abgegeben) Ich habe ihn dann tatsächlich entmannt... Ich habe einfach dem Druck nicht mehr standhalten können, ich konnte ihn noch nichtmal als Hengst verkaufen. Keiner wollte einen, weil's zu gefährlich ist. Er war so nett, ich sag mal, wenn man fair zu ihm war und ihn gerecht behandelt hat, ein "leichter" Hengst. Nach der Kastration hat er sich körperlich sehr verändert und auch seelisch...Ich habe ihn dann später verkauft. Heute lebt er in Bayern und seine neue Besitzerin ist ganz wundervoll und bei den beiden wars Liebe auf den ersten Blick!
Jahre später, ich habe wieder einen Isi, einen Wallach, ich habe ihn 4 Wochen nach der Kastration zu mir geholt, er war ein Schatten seiner Selbst. Ich bin erwacht! Vor Schrecken, was ich ihm angetan hatte!
Heute 1 Jahr später hat er wieder richtig Lebensfreude, Dank dem natürlichem Weg, dem wirklichen Sehen und Verstehen. Er ist ein richtiges Wildpferd(Mein kleiner "Mustang"). Ich habe ihn einen neuen Namen gegeben und zwar Villingur (isländisch: der Wilde). Trotz allem und mit heutigem Wissen, kann ich mir das nicht verzeihen, was ich beiden Pferden angetan habe. Wie feige ich war.
Für viele Menschen ist die Kastration ganz normal und gehört zum Hengst dazu, wenn man nicht züchten will.
Auch ich habe erst nach dem Ereignis richtig verstanden, was es heißt einen Hengst zu kastrieren. Ich wollte es zuerst auch nicht wahrhaben, denn man müsste ja dann zu geben, das man einen wirklich schlimmen Fehler gemacht hat. Viele wollen dazugehören, in den Reitstallgemeinschaften, wollen einfach nur ein einfach funktionierendes Pferd, und es für seine Freizeitgestaltung benutzen, um mit angeblich Gleichgesinnten in Kontakt zu treten. So erging es mir. Ein Mittel zum Zweck. Ist hart, aber so ist es.
Heute haben wir, auch Dank Sabines Buch und Tips ein schönes Miteinander gefunden. *FREU*
Viele Grüße K.B.
PS: Und Wallache müssen einen das Leben nicht unbedingt leicht machen, egal, ob mit der Haltung oder dem Zusammensein

Jaana hat gesagt…

Hallo K.!
Ein frohes neues Jahr! Jetzt komme ich endlich dazu, eine Antwort auf deinen Beitrag zu schreiben.

Je mehr ich eure tollen Kommentare lese, verstehe ich, dass es tatsächlich auch ein Vorteil war und ist, so ungezwungen in die Pferdewelt hineinzuwachsen. Ich sprach vor einiger Zeit mit einem Mädchen, welche mit 14/15 dabei war, als ihr selbstgezogenes Hengstfohlen kastriert wurde. Natürlich kam sie mit dem Jungpferd vorher nur noch schwer klar, aber als wir darüber sprachen, merkte ich, wie sehr ihr das eigentlich auch zugesetzt hat und wie froh ich bin, selbst jetzt wo ich schon älter bin, nicht mit ihr tauschen zu müssen.

Aber man muss irgendwie überleben und für uns Menschen gehört die Anerkennung von Aussen unbedingt dazu. Das ist keine Ausrede, aber wie ich an euren Reaktionen bestätigt sehe, scheint der Druck immens zu sein.

LG
Jaana

K.B. hat gesagt…

Hallo! ich denke, die Angst allein dazustehen ohne seine eigene "Herde" ist was Menschen Dinge tun lässt, obwohl sie wissen, das es falsch ist. Es ist einfach schwierig immer kämpfen zu müssen. Ich hatte meine bd. Hengste auf'n Dorf stehen, wo einige eben alles besser wussten. Und auch richtig gefährlich gemein wurden. Z.b. Mein Stromzaun zerschnitten, so das mein Hengst ausgebüxt ist und ich ihn aus dem nächsten Dorf abholen konnte. Und das war noch das netteste...Man wird denn so angesehen, wie naja Mädchen und Hengste eben. Oder mein Isi hat einen ordentlichen Wachstumsschub gemacht und sa aus wie ein verhungertes etwas, schief und krumm. Da hat der der Nachbarbauer das Pferd einfach auf fettes Gras gestellt auf ein Stück meiner Koppel, die aber nichtmal vollständig eingezäunt war und der Draht noch lose auf der Koppel lag. Ich gebe zu das, das mir immer mehr die Lust verging und ich einfach keinen Nerv mehr darauf hatte. Ich frage mich eigentlich immer warum einen die Leute nicht einfach in Ruhe lassen können. Oder liegt es vielleicht daran, daß man ihnen die ihre vermeintlichen Fehler vorhält, allein dadurch, das man's eben anders macht?!?
LG Kerstin

PS: Ich finde deinen Blog wirklich sehr schön und gelungen, bitte bitte schreib noch viele Sachen!!!
Auch das schöne Interview mit Live Bonnevie. Ich kann ihren Faible für Isländer sehr gut verstehen. Ein super tolles Buch.

Jaana hat gesagt…

Ich glaube, es ist gerade eine noch übernommene Mentalität, aus der Zeit, wo es wirklich lebenswichtig war, dass Pferde von jedermann benutzbar sind. Aber Änderung ist bereits in der Luft! (sry. hatte ein langes Kommentar geschrieben und jetzt ist es gelöscht ...)

LG
Jaana